Saturday, 31 July 2010

Du kommst aus Deutschland!

Gestern, an der Kasse im Bioladen. „Was habt ihr denn da grad für eine Sprache gesprochen?“ „Oh, das kann ich Dir leider echt nicht verraten, denn es ist eine Geheimsprache“. Meine absolute Lieblingsantwort auf diese Frage entlockt dem Kassierer ein lahmes jedoch sehr verunsichertes lächeln. Blitzschnell besinne ich mich und füge hinzu „Wir haben uns auf Deutsch unterhalten“. Der Kassierer lacht erleichtert „Meine Vorfahren die kommen auch aus Deutschland. Gerne möchte ich die Sprache jetzt lernen, um ich ihnen verbundener zu fühlen“. Er findet Deutschland einfach nur toll. Bis jetzt hat er aber leider noch keine Gelegenheit gefunden, es auch mal zu besuchen. Seine Vorfahren sind damals in Hahndorf, Südaustralien angekommen. Wann ‚damals’ war, kann er mir leider nicht sagen, denn das weiß er gar nicht genau. „Dort sieht alles genauso aus wie in Deutschland“, versichert er mir und wenig überzeugend schiebt er ein „Ich selber war aber noch nie da“ nach. Meine Neugierde ist trotzdem geweckt. Hahndorf wurde 1839 von dem Preußen Dirk Hahn, der auf einem Schiff mit vielen anderen Preußen hier ankam, gegründet und nach ihm benannt.

Ich wünsche dem Kassierer viel Glück beim Deutsch lernen. Das aber nicht ohne ihm zu empfehlen, dass er doch lieber spanisch lernen soll, da ja besser einsetzbar, weil viel weiter verbreitet. „Ne ne“, meint er überzeugt, „ich möchte unbedingt Deutsch lernen“.

Paar Minuten später finden meine Begleiterin und ich uns an der Kasse im Aldi Supermarkt wieder. Hier gibt es übrigens auch viele tolle Bioprodukte zu kaufen. Lange Schlange. Hinter mir steht ein Mann, nach kurzer Zeit fragt er uns in einem relativ gutem deutsch. „Haben sie grad deuts gesprochen?“. „Ja, haben wir“. „Ik kann das erkennen“, teilt er uns freudestrahlend mit. Aufgeregt fragt er weiter „Bisd du deuts?“. Ja, ich wurde in Deutschland geboren“. Das reicht ihm nicht „Bisd du deuts?“. Ich vergewissere ihm erneut das wir beide deutsche sind. „Ik hab ma dswei Jahr in Essen gewuhnd“. „Toll“, antworten wir mit begeisterten Gesichtern. „Isd ein’ sehr tolle Stadt, Essen.“ Pause. „Aldi is auch ein deudse Gesaft“. Wild nickend stimmen wir ihm zu. „Makst Du Ferien hier?“, fragt er noch. „Nein, wir wohnen hier“.

Schwupp haben wir auch schon bezahlt und sind fast weg. „Tschones Tag noch“ wünscht er uns.

Wir fühlen uns sehr exotisch. Beinahe erwarte ich schon, dass mich gleich noch jemand um ein Autogramm bittet. Man vergisst all zu oft, dass man tatsächlich ungefähr 16.000 km von der Heimat entfernt lebt. Kann ja auch schnell passieren, wenn man grad bei Aldi steht.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Thursday, 29 July 2010

Die australische Landestracht


Ach so sieht die aus, die australische Landestracht. Bunt, witzig und ausgefallen. Die ganze Welt gilt es zu überzeugen, dass eine Australierin die schönste im ganzen Universum ist. Helfen werden ihr dabei ein Badeanzug, ein Seidenrock in mehreren Lagen und vorne tief ausgeschnitten, ein Lammfell Bolero Jäckchen und hochhackige Ugg Boots.

Vorgängerinnen der aktuellen Miss Universe Australia ließen sich unter anderem von Crocodile Dundee, dem Strand, dem Sand, der Wüste, von Rettungsschwimmern und der Straßenkarte von Sydney bei der Wahl ihrer Kostüme inspirieren.

Wednesday, 28 July 2010

Schlechte Aussichten fürs Great Barrier Reef


Der Great Barrier Reef Nationalpark erstreckt sich über 2000 km nordöstlich entlang der australischen Küste in Queensland. Irgendwann in seinem Leben hat jeder schon mal davon gehört, war vielleicht sogar schon mal dort schnorcheln oder spart gerade, um irgendwann mal den Nemo besuchen zu können.

Mit einem Boot fährt man durch das türkisblaue Wasser. Der strahlend blaue Himmel und die leichte warme Brise die einem zart übers Gesicht streicht, machen die Stimmung perfekt. Habe mich ja bereits in früherem Eintrag zum Tierliebhaber bekannt. Unzählige bunte Fische, exotisch aussehende Korallenwände. Nemo und seine Freunde. So kann ein Tag am Great Barrier Reef aussehen. Man kann nur staunen, über so eine Schönheit. Fast raubt einem diese unglaubliche Schönheit den Atem. Nie mehr weg möchte man, einfach nur dort bleiben, für immer aus dieses ewig blaue Meer schauen.

Geht ja aber leider nicht. Unangenehm quietschendes Geräusch, so wie es die Plattennadel auf einer Schallplatte erzeugt. Die Realität, sie sieht mal wieder ganz anders aus.

Die vielen Algen im Great Barrier Reef Nationalpark töten die Artenvielfalt der Korallen. Die Tourismusindustrie nimmt pro Jahr 1 Milliarde AUD ein. Logischischerweise beeinträchtigt der Tourismus die Wasserqualität. Algen kommen im Great Barrier Reef natürlich vor. Nur wenn diese zu viel werden, behindern sie das Wachstum der Korallen. Besonders betroffen sind Korallenbänke zwischen Townsville und Port Douglas in Queensland meldet das Australische Institut für Meereskunde.

Die Studie, die seit 1992 läuft, betrachtete 150 Korallenbänke und die Wasserqualität an 2000 unterschiedlichen Stellen. Seealgen verfünffachten sich aufgrund der schlechten Wasserqualität. Die Korallenvielfalt sei dadurch beeinträchtigt. Ungefähr 647 Korallenbänke, das sind 22 Prozent des gesamten Great Barrier Reefs, entsprechen nicht den vorgegebenen Richtlinien der Wasserqualität. Wenn die Wasserqualität verbessert werden könnte, würde es ein drittel weniger Algen geben und die Artenvielfalt wäre dementsprechend weniger gefährdet.

Was kann man da jetzt machen? Wenn immer es hier eine Meldung gibt, die sagt das Great Barrier Reef sei bedroht, sagen viele Ozis ‚Ja ja ja, dass Great Barrier Reef wird ja schon seit Jahrzehnten totgesagt und es ist immer noch topfit’. Ist die Zukunft des Great Barrier Reefs bedroht oder eher ungewiss?

Schöne Grüße aus Melbourne!

Tuesday, 27 July 2010

Beach Babes? Fehlanzeige


Es gibt weltweit mehr übergewichtige als hungernde Menschen. Als ich hier in Australien ankam, konnte ich das auch ruckzuck und auf den ersten Blick für Australien bestätigen. Essen die Ozis doch auch so gerne. Anscheinend doch leider nicht das richtige. Ist ja aber in den meisten Ländern so. In Deutschland ja auch. Genau so wie es kein kalifornisches Beach Babe gibt, gibt es auch kein australisches. Na ja, ein paar gibt es sicherlich wohl noch irgendwo.

Viele Bürger in Deutschland sind einfach zu dick und werden deswegen krank. Jahrelang wird das schon besprochen und versucht zu bekämpfen. Gründe sind auch nicht so wirklich klar. Zu wenig Bewegung? Zu viel Fastfood? Computerspiele?

Jetzt heute kommen die Ozis mit einer Meldung raus, dass in Australien immer mehr Menschen an Herz- und Kreislaufproblemen sterben und das weil sie übergewichtig sind. Wie Experten bekannt gaben sind mehr als 60 Prozent der Erwachsenen übergewichtig. Gesundheitsprobleme aufgrund zu vielen Kilos auf der Waage kosten der Wirtschaft ungefähr 60 Milliarden AUD pro Jahr. Zweimal so viel wie die Kosten für Gesundheitsprobleme, die auf das Rauchen zurück zuführen sind.

Das fällt denen heute Ende Juli 2010 auf, obwohl ich es ja schon Anfang 2006 sehr offensichtlich fand. Brandheiße Meldung also. Jetzt schreit man danach, dass die Regierung die Lebensmittelhersteller kontrollieren soll. So wie sie es auch mit Tabakherstellern macht. So wie das rauchen reguliert wird, soll auch das Gewicht der Einwohner Australiens in Zukunft kontrolliert werden. Den Ozis sollen Anreize geboten werden, damit sie Sport machen. Mehr bewegen, weniger essen.

Kontrolliert werden die hier wohl alle gerne, zumindest habe ich oft den Eindruck. Wie hab ich mir das vorzustellen? Ich realisiere das ich zu viel wiege, warte aber darauf dass die Regierung mich an die Hand nimmt und mir erklärt, wie man gesund lebt? Die Regierung wird es schon richten. Erwarten die Einwohner, dass, wenn die Regierung sie kontrolliert, sie dann alle ab morgen topfit sind? Jeden morgen ab zum Wiegen auf den Dorfplatz oder wie?

Gefordert wird, dass die Fast Food Ketten und Lebensmittelhersteller Mengen- und Inhaltsangaben machen müssen. Das soll aber alles auch nicht so kompliziert ausfallen, man befürchtet, dass es sonst wieder niemand versteht. Gesunde Lebensmittel sollen auf der Vorderseite der Verpackung eine grüne Kennzeichnung bekommen und ungesunde dementsprechend eine rote. Verbraucher können das Produkt in die Hand nehmen und sofort erkennen, ob es gesund ist oder nicht.

Muss man denn immer gleich nach der Regierung schreien? Kann sich denn wirklich niemand mehr selber helfen? Leben denn hier in Australien wirklich nur die hilflosen kleinen unmündigen Erdenbürger? Selber informieren, da ist man wohl fies vor.

Die Leute hier in Australien werden immer dicker und dicker. Hoffentlich ist die regulierende Behörde in der Lage diesen Trend noch mit dem Einsatz der geplanten roten Produktkennzeichnungen zu stoppen. Ansonsten sehe ich echt schwarz für dieses Land.

Schätzungen zufolge nimmt man an, dass im Jahre 2025 bereits 75 Prozent aller Einwohner Australiens fettleibig sein werden.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 26 July 2010

Australiens größte Fluggesellschaft

Qantas ist die größte australische Fluggesellschaft und laut einer Statistik des Jet Airliner Crash Data Evaluation Center gilt sie als sicherste der Welt. Und das weil noch nie ein Flugzeug der Flotte zerstört oder so schwer beschädigt wurde, dass es nicht mehr repariert werden konnte.

Andauernd höre ich hier in den Nachrichten von irgendwelchen negativen Vorfällen mit dieser Airline. Und das auffallend oft irgendwie. Das müssen ja mittlerweile unzählige sein. So entstand bei mir die Idee, die Vorfälle der noch nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit aufzulisten. Abschreckendes Ergebnis.

August 2005. Boeing 737. Flug Brisbane – Sydney. Strom am linken Motor fällt aus. Notlandung in Sydney.

Januar 2008. Boeing 747, Flug nach Bangkok. 300 Passagiere. Stromverlust. Maschine landete in Bangkok unter Einsatz von Notstrom.

Februar 2008. Flug Townsville – Brisbane. Hydraulik Flüssigkeit tropft auf Reifen. Landevorrichtung qualmt bei Landung in Brisbane.

20. Februar 2008. Flug Gladstone – Rockhampton. Landevorrichtung defekt.

März 2008. Flughafen Sydney. Mit Kaffee verstopftes Waschbecken lässt den Piloten den Abflug verhindern. Erst kurze Zeit vorher hatte ausgetretenes Wasser den kompletten Stromausfall während eines Flugs nach Bangkok angerichtet. Siehe Januar 2008. Auf Drängen des Piloten wird der Vorfall untersucht, es stellt sich heraus, dass es einen Schaden an der exakt gleichen Stelle gibt.

März 2008. Singapur – London. 400 Passagiere. Notlandung in Delhi aufgrund technischer Probleme mit einem Motor.

März 2008. Flug Los Angeles – Sydney. Beim takeoff in Los Angeles explodieren drei Reifen. Abflug abgebrochen.

April 2008. Boeing 747. Flug Perth – Sydney. Fenster zerbrochen. Flugzeug konnte sicher in Adelaide landen.

July 2008. Boeing 767. Flug Sydney – Melbourne. Stück der Motorabdeckung fällt bei der Landung in Melbourne ab.

25. Juli 2008. Boeing 747-400. Flug von London nach Melbourne. 369 Passagiere. 9000 Meter über dem Südchinesischen Meer. Passagiere hörten lauten Knall, in der Kabine wurde es windig. Sauerstoffmasken fielen aus der Decke. Die Maschine stürzte aus 9000 Metern Höhe auf 3000 Meter. Sauerstofftank explodiert, im Rumpf klaffte ein autogroßes Loch. Den Piloten gelang es schließlich, in der philippinischen Hauptstadt Manila Notzulanden.

August 2008. 200 Passagiere. Notlandung. Nach dem Start von Sydney ließ das Flugzeug wegen technischer Probleme Treibstoff ab und kehrte auf ihren Ausgangsflughafen zurück. Dort stellte sich heraus, dass aus einer Tragfläche Hydraulikflüssigkeit ausgetreten war.

15. August 2008. Flug Melbourne – Singapur. Boeing verliert auf dem Flug die Zugangsklappe zu einem Triebwerk.

18. August 2008, Boeing 767. Flughafen Singapur. Fehlende Verkleidungsteile am Flugzeug.

18. November 2008. Melbourne. Zwei Qantas Boeing-747 kollidieren auf dem Flughafen,
beide wurden dabei beschädigt.

31.08.2008. Boeing 747. 350 Passagiere. Flug Singapore – London. Triebwerkschaden zwingt Maschine zur Landung in Frankfurt. Maschine landet in Frankfurt mit abgeschaltetem Triebwerk. Passagiere fliegen mit mit anderen Maschinen weiter.

7. Oktober 2008. A 330-300. Flug Singapore – Perth. 313 Passagiere. Beinahe Absturz. Computer-Panne ließ Qantas Airbus absacken. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt, als das Flugzeug ohne Vorwarnung innerhalb von Sekunden mit der Spitze nach unten stürzte bevor es sich wieder fing. Passagiere waren teils an die Decke geschleudert (nicht angeschnallt) oder von umherfliegenden Gepäckstücken verletzt worden. Notlandung auf abgelegenen Militärflughafen bei Exmouth an der Westküste Australiens. Von dort brachte die Flugambulanz die Verletzten ins 1200 Kilometer entfernte Perth.

Oktober 2008. Unfall mit Qantas Bus auf Flughafengelände. Bus fuhr Passagiere vom Internationalen Terminal zum Nationalen Terminal, als sich ein Zusammenstoss mit anderem Bus ereignete. Sieben Passagiere wurden dabei verletzt.

Oktober 2008. Brisbane Flughafen. Qantas Sicherheitskontrolle unzuverlässig. Zweimal wurde vergessen Flugpassagiere zu überprüfen. Passagiere die sich bereits an Bord der Maschinen befanden, mussten zurück, um Sicherheitscheck zu absolvieren. Flüge zwei Stunden verspätet.

20. November 2008. Dash-8 / Havilland DHC-8. Flug Launceston – Melbourne. Maschine als Flugunfähig erklärt. Passagiere warteten Stundenlang auf Ersatzflugzeug.

Dezember 2008. A380. Flug Los Angeles – Sydney. Weil ein Passagier an Bord krank wurde, legte die Maschine einen ungeplanten Zwischenstopp auf Fidschi ein. Armaturen zeigten dort technisches Problem an, deshalb konnte sie zunächst nicht weiterfliegen. Die Fluggäste mussten eine Nacht auf Fidschi bleiben.

3. März 2009. Airline hat drei A380. Eine der drei Maschinen ist fluguntauglich und muss am Boden bleiben. Zuvor hatten die Passagiere über zwölf Stunden auf die Reparatur eines Lecks im Treibstofftank gewartet. Gleichzeitig mussten die beiden anderen A380 in Sydney wegen ähnlicher Probleme am Boden bleiben. Zwei der Großraumflugzeuge haben Probleme mit der Tankanzeige, während das dritte neben dem Leck auch Defekte an der Steuerung aufweise.

Juni 2009. A330-300 Airbus. Flug Hongkong - Perth. 206 Passagiere. 13 Crew Mitglieder. Sieben Verletzt, als Flugzeug über Borneo plötzlich absackt. Probleme bei Erkennung von Eiskristallen.

18. Februar 2010. Airbus A330. Flug Sydney – Shanghai. Landevorrichtung konnte nicht eingefahren werden. Flugzeug flog zwei Stunden über Sydney um Treibstoff zu verbrauchen bevor es dort wieder landete. Eine Notlandung musste nicht eingeleitet werden, da die Landevorrichtung bereits ausgefahren war.

März 2010. Flughafen Northern Territory, Nähe Uluru. Eine Stewardess fällt beim verschließen der Flugzeugtüren drei Meter kopfüber aus dem Flugzeug.

März 2010. Boeing 737 Flug Melbourne – Los Angeles. Aufgrund gerissener Windschutzscheibe hat der Flug stundenlange Verspätung. Bevor dieser Riss entdeckt wurde, wurde das Flugzeug jedoch schon für mehre Flüge freigegeben.

30. März 2010. Flug Sydney – Singapur. Boeing 747. Mehr als 400 Passagiere an Bord. Flugzeug musste umkehren. Motorenproblem. Maschine befand sich über dem Meer und ließ dort Treibstoff ab, um Landevorschriften zu genügen.

31. März 2010. A 380. Flug London – Singapur – Sydney. 244 Passagiere. Reifen explodieren bei der Landung in Sydney. Passagiere mussten nach der Landung für weitere zwei Stunden an Bord bleiben.

April 2010. Flug Bangkok – London mit 335 Passagieren an Bord. Einer von vier Motoren fiel aus. Maschine musste nach Bangkok zurückkehren.

2. April 2010. Flug Los Angeles – Brisbane. Boeing 747. Flugzeug hatte Verspätung aufgrund eines Motorenproblems. Ein Ersatzflugzeug wurde bereitgestellt, dieses hatte ebenfalls Motorenprobleme. Alles in allem kostete dies die Passagiere 17 Stunden Verspätung. Das gleiche Flugzeug Flug Sydney – Singapur. Boeing 747 mit den mehr als 400 Passagieren an Bord.

2. April 2010. Flight Perth – Brisbane. Flughafen Perth. Fehler an Flügelklappe Fünf Stunden Verspätung.

Juli 2010. 737-800. Flug Sydney – Cairns.
Nach eineinhalb Stunden Flug musste die Maschine nach Sydney zurückkehren, da Enteisungsanlage nicht funktionierte. Passagiere wurden in Sydney auf andere Maschinen verteilt.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Saturday, 24 July 2010

Mittwochabend in Melbourne

Hier in Australien sind mal wieder alle in heller Aufregung. Kommt doch einfach so einer daher und findet es hier langweilig. Und dann sagt er das auch noch. Und, dann sagt der das auch noch fünf Millionen Menschen die ihm weltweit auf twitter folgen. Unverschämt. Ashton Kutcher hat getwittert, dass hier an einem Mittwochabend alles geschlossen war. So richtig negativ war sein Kommentar nicht einmal. Melbourne jedoch steht unter Schock.

Berichtet wurde das gestern sofort in einem langen Artikel in der Tageszeitung. Das können die Melbourner Leser ja nicht auf sich sitzen lassen. Und es hagelte wieder Mengen von Kommentaren, die fast allesamt unter der Gürtellinie landeten. Die Kommentare lese ich übrigens mittlerweile fast noch lieber als die Artikel selber. Da bekommt man einen guten Überblick über die Demographie der Einwohner Melbournes. Und das ist meistens sehr unterhaltend. Herrlich.

Da war diesmal wieder alles dabei. Einige waren sehr verständig und meinten, logo, Melbourne ist nett, vergleicht man es aber international mit anderen Städten schneidet es schlechter ab. Wir sind hier nun mal nicht in Berlin, New York oder London, sondern in Melbourne. Schließe mich dieser Meinung voll und ganz an.

Hier wird ja keiner gerne kritisiert. Die Australier mögen Kritik ganz einfach nicht. Auf jegliche Art der Kritik reagieren sie äußerst empfindlich. Komplexe, komplexe, komplexe. Und wenn es nur darum geht, dass jemand sagte, alles war geschlossen an einem Mittwochabend. Es sieht so aus, als seien hier alle einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Nein. Alles ist so überaus genial und ‚Weltklasse’ hier und jeder der auch nur andeutungsweise etwas anderes sagt wird aufs übelste beschimpft. Alle mit einer konträren Meinung sind sowieso total doof, haben sowieso keine Ahnung oder sollten sowieso doch gar nicht erst hier sein.

So und jetzt sagt der Ashton alles war geschlossen. Wie kann er nur? Viele ließen sich ganz schnell und einfach über Demi Moore aus, weil sie Schönheitsoperationen hatte und Asthon wohl lieber an Silikon Brüsten nuckelt als hier in Melbourne zu sein. Viele behaupteten Amerikaner seien ungebildet und einfältig, warum sollte der Ashton da eine Ausnahme sein? „Der Ashton der weiß doch nicht was gut ist. Melbourne ist so cool, deshalb hat er die guten Plätze auch nicht gefunden“. Oder ein anderer „Ashton Wer?“. „Jetzt weiß er wie wir uns fühlen, wenn wir uns seine Filme angucken“. „Wir brauchen keine Ausländer die uns sagen, wie herrlich Melbourne ist und immer sein wird“. „Sag ihm wo er hingehen soll, nach Hause“. „Gut, hoffentlich bleiben die fünf Millionen twitter Folger jetzt daheim und Melbourne bleibt so toll wie es ist“. „Peinlich, jetzt wissen dank Ashton auch noch alle wie langweilig es hier ist.“ „Ashton ist nicht besonders erwachsen, Melbourne ist halt mehr was für intelligente Menschen“. „Je weniger andere über unsere versteckten Schätze wissen, desto besser“.

Ein Leser ließ sich doch sogar wieder zu meinem absoluten Lieblingsspruch hinreißen. „If you don’t love it leave“. Ohne Worte.

Es ist wie in der Provinz. Je unbedeutender eine Stadt oder Ort ist, umso schöner und aufregender müssen die Einwohner sich diesen reden. Es ist ok hier und man kann einiges unternehmen. Warum kann man es nicht dabei belassen? Und warum ist es so verboten, mal was Kritisches über Melbourne zu sagen? Ich freu mich, dass der Ashton so denkt. Manchmal fange ich schon an, mich zu wundern, ob ich zu einfältig bin, all die aufregenden Dinge zu sehen? Also gut zu wissen, dass auch andere Besucher Melbourne als eher langweilig empfinden.

Wenn die Australier mich fragen, wie ich es hier finde, dann sage ich immer alles ist einfach super und die Sonne ganz besonders (damit ich nicht ganz so stark lüge). Dann sind alle glücklich und es kann weiter gehen. Am Anfang dachte ich die seien wirklich an meiner Meinung interessiert und so antwortete ich oft, gut dass man am Strand wohnen kann, andererseits es ist nicht besonders vielfältig und es gibt wenig Kulturelles im Angebot. Da waren alle entrüstet. Doch viele waren halt auch noch nie im Ausland. Und wenn ich Melbourne mit dem Yarra Valley vergleiche, rockt hier ja auch echt der Papst.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Friday, 23 July 2010

Fahrradfahren. In Australien?


Was ich hier so mitkriege? Am liebsten fahren die Leute mit dem Auto. Vom sechs Zimmerhaus, zum Supermarkt Chips und Cola-light kaufen und zurück, fernsehen.

Jetzt wurde ja endlich auch hier ein ‚Städtischer Fahrradverleih’ eingeführt, siehe Call a bike, aber vergiss deinen Helm nicht.

Weniger als 70 Personen am Tag leihen sich eines von 600 bereit stehenden Fahrrädern. Jetzt sagen alle die Helme wären schuld. Müssten die Leute keine Fahrradhelme tragen, man dann würden tausende von Bürgern die Räder ausleihen. Sind doch nur 600 im Angebot. Egal.

Fahrradfahren sieht hier so aus. Irgendwie glauben die Leute hier, man kann nur Fahrrad fahren, wenn man sich zunächst mal ein Lycra kauft und einen Helm natürlich. Das ist doch schon der völlig falsche Ansatz. Gehe ich in Lycra gekleidet in eine Bar, gehe ich in Lycra in den Supermarkt, gehe ich in Lycra Freunde besuchen, gehe ich in Lycra ins Kino, gehe ich in Lycra sonntags bei meinen Eltern zum Mittagessen? Nein gehe ich nicht. Der Spirit des ich-fahr-überall-mit-dem-Rad-hin ist hier nicht vorhanden. Man sieht dafür aber häufig in Lycra gekleidete Radfahrer, gerne drei nebeneinander eine Hauptverkehrsstrasse blockieren. Das raffen die nicht, dass es nicht intelligent ist und das es doch echt gut wäre, für alle Beteiligten, hintereinander herzufahren.

Es gibt auch noch eine andere Fraktion. Die schwätzen rum und machen sich was vor. Und alles fühlt sich so falsch an. Fahrradfahren ist für die meisten dieser Gruppe ein echt cooles trendiges Fortbewegungsmittel. Denn wir in Europa benutzen das auch. Und Europa ist ja so super cool. Und die Australier wollen auch genau so sein. Oder sie sind es ja sowieso und noch viel cooler als wir Europäer. Alleine die Art wie die hier über das Fahrradfahren sprechen. Man kann nur schmunzeln. Es ist echt fantastisch, dass manche sich bemühen, das Fahrradfahren jetzt hier einzuführen. Ist man mit einem Fahrrad aufgewachsen, wer ist das nicht in Deutschland, kommt einem das aber alles höchst seltsam vor. Australien entdeckt das Fahrradfahren. Oder eher, Australien möchte das Fahrradfahren für sich entdecken. Aber erfindet Ausreden, warum es das nicht kann.

Über einen ganz pfiffigen Bürger wurde heute in der Zeitung berichtet. Musste mir echt die Augen reiben. Er kündigt an, dass er am Samstagmorgen eine Protestfahrt machen wird. Ganz frech und ohne Helm wird er Fahrrad fahren, um zu demonstrieren, dass es auch so ganz oben ohne geht. Dabei riskiert er ein Bußgeld von AUD 146. Er ist ein echter Rebell. Die trauen sich echt was, die Leute in Oz.

Die ganze Sache mit den Fahrradhelmen ist doch auch so komplett daneben. Anstatt ihre häufig sehr schwergewichtigen Bürger mal zum Fahrradfahren zu ermuntern, macht man ihnen lieber noch ein wenig Angst, indem man sagt, ohne im Straßenverkehr einen Helm zu tragen, bist Du so gut wie tot. Das man auch mit Helm im Straßenverkehr sterben kann ist ja erstmal egal. Angst schüren, da sind die ja hier eh die Größten drin.

Es bleibt spannend, schafft Australien es irgendwann mal auf das Fahrrad umzusteigen oder zumindest mehr als nur einige wenige Bürger?

Schöne Grüße aus Melbourne!

Thursday, 22 July 2010

Teetrinken im Northern Territory

Treffen sich Ted und Barry auf eine Tasse Tee im Northern Territory. Stell Dir mal vor, in Perth hat einer ins Gartencenter eingebrochen und dabei ist das Dach eingestürzt. Bricht der da ein und kommt selber nicht mehr raus. Wie dumm muss man sein? Solche Leute sollte die Feuerwehr zur Strafe einfach schmoren lassen. Ach bei Feuerwehr fällt mir ein, dass der Kevin Rudd noch mal Glück hatte. Es gibt Rettung aus seiner misslichen Lage. Jetzt nachdem er in einem Putsch abgelöst wurde, hat er doch tatsächlich noch Chancen auf einen Job bei der UN, die finden ihn ganz nett und anständig bei der UN. Anständig sagt der andere, dass sind die Polizisten in Neuseeland ja wohl nicht, denn dort hat ein betrunkener Polizist einer Frau seinen Penis gezeigt, als sie auf einem Parkplatz angehalten hat. Schlimm. Parken, eine Frau an der Gold Coast die konnte ja noch nicht einmal mehr das, die fuhr einfach glatt mit ihrem Wagen in das Schaufenster eines Supermarkts, zum Glück jedoch nicht wirklich schwer verletzt. Verletzt? Schon gehört, so glimpflich kam der Ehemann von der Brittany Murphy nicht weg. Er ist gestorben, an einer Lungenentzündung, genau so wie sie damals. Man oh man, dass ist ja alles kaum zu glauben. Die Welt wird immer verrückter, dass Leben ist kein Ponyhof meint Berry. Halt die Ohren steif, ich bin dann jetzt weg. Bis morgen Ted.

So oder ähnlich wird das wohl im Northern Territory abgehen. Bei einem Blick in die heutige Tageszeitung des Northern Territorys stoße ich auf die folgenden fünf ‚Breaking News’. Fünf. Eilmeldungen.

Nachricht Nummer eins.
Ein Einbrecher musste aus Dach gerettet werden.
Irgendein Typ hat im Gartencenter in Perth eingebrochen, ist dabei ins Dach eingekracht und konnte nicht mehr raus. Die Feuerwehr brauchte eine Stunde um den Einbrecher zu befreien. Entstanden ist ein Schaden von AUD 6.000.

Nachricht Nummer zwei.
Kevin Rudd bestätigt, dass er mit der UN über einen möglichen Job gesprochen hat.
Dazu müsse er aber nicht ins Ausland ziehen und kann hier in Oz weiterhin in der Politik arbeiten. Kevin Rudd, ein ehemaliger Diplomat genießt hohes Ansehen im Ausland.

Nachricht Nummer drei.
Besoffener Neuseeländischer Polizist, gerade nicht im Dienst, entblößt seine Genitalien vor einer Frau mit Sohn.
Pukekohe District. Die Frau und ihr elfjähriger Sohn waren am Neujahrstag auf dem Weg nach Hause, als der Offizier ihr auf einem Parkplatz erst seine Polizeimarke und dann seinen Penis zeigte. Ein besoffener Kollege von ihm, ebenfalls nicht im Dienst, kam dazu. Die beiden Polizisten wurden verhaftet, den einen erwartet keine Anklage.

Nachricht Nummer vier.
Gold Coast. Eine Person verletzt als Auto in Supermarkt fährt.
Paramedics haben die Fahrerin des Wagens behandelt. Der Supermarkt bleibt für eine weitere Stunde geschlossen.

Nachricht Nummer fünf.
Brittany Murphy’s Ehemann kommt auf gleiche Weise ums Leben
Ehemann Monjack starb im Mai 2010 an Lungenentzündung und Blutarmut. Eine Überdosis Drogen sei wohl nicht mit im Spiel gewesen, darüber ist Brittanys Mutter froh.

Das sind die fünf Eilmeldungen des heutigen Tages. Und diese fünf bahnbrechenden Nachrichten laufen auch noch auf der Homepage der Zeitung in einem Laufband am oberen Rand des Bildschirms ab. Der Rest der Seite ist leer. Das nenn ich ehrlich. Es gibt halt nichts zu berichten. Oder man interessiert sich für nichts. Oder es würde sowieso niemand lesen? Stimmt ja aber nicht, die Bürger sprechen schon über die Nachrichten.

Manchmal fühle ich mich hier in Victoria schon sehr gelangweilt. Hier passiert ja nicht viel, für Europäische Verhältnisse zumindest. Vielleicht erwarte ich aber auch zu viel, zu schnell, zu groß, zu toll.

Die Leute, die im Northern Territory leben, sind noch ärmer dran als ich. Da passiert ja wohl wirklich absolut nichts. Das ist ja vielleicht auch gerade eben das Schöne. Die haben ein Leben. Alles ganz easy da oben. Ist ja auch Geschmackssache. Manche Menschen mögen es ja langweilig.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Wednesday, 21 July 2010

Drei Dinge die ich an Australien mag

Über zu viel Regen, mangelnde Nähe zum Meer und zu viel Stau brauche ich mich nicht mehr beschweren.

Sintflutartige Regenfälle, orkanartige Windböen, überflutete Straßen und Keller. Regen in Deutschland. Grauer Himmel, tagelang und ohne Unterbrechung. Oft stand ich ganz kurz davor, Schwimmhäute zu entwickeln. Und dann der alte Witz, jedes Jahr neu aufgelegt. Es ist Sommer, der Regen ist wärmer geworden. Diesen Regen, den vermisse ich nicht. Vergangenheit für mich.

Das gute und milde Wetter ist echt ein Traum. Es vergeht wohl kaum ein Tag an dem man nicht blauen Himmel sieht. Winter, Herbst, Sommer, Frühling. Blauer Himmel, Sonnenschein ist eigentlich immer zu sehen. Ab und an kann es mal regnen, aber dass ist nicht mit den Zuständen in Deutschland zu vergleichen.

Deutsche Nordseeküste, Holländische Nordseeküste, Französische Nordseeküste. Wollte ich von Deutschland aus mal einen Tag am Meer verbringen, konnte ich zwischen diesen drei Optionen wählen. Dreieinhalb bis vier Stunden Fahrt an die See, dass ist ja schon eine ordentliche Entfernung. Die vermisse ich nicht. Es gibt so viele Strände hier. Unzählige Kilometer von Sandstrand. Spazieren gehen, aufs Meer schauen und dabei träumen kann ich so oft ich es möchte. Ich wohne 1300 Meter vom Strand entfernt. Für mich noch immer wieder ein Wunder. Stundenlange Autofahrten zum Meer, gehören der Vergangenheit an.

Kilometerlang. Gestörter Verkehrsfluss. Hohes Verkehrsaufkommen. Stockender Verkehr. Absoluter Stillstand. Stop and Go. Stau aus dem Nichts. In Köln schien es mir meistens unmöglich einfach nur mal so mit dem Wagen wegzufahren ohne in einem Stau zu stehen. Ich nehme stark an, dass ist in allen anderen Ballungsgebieten in Deutschland genau so. Stau gibt es hier in der Art gar nicht. Und den Stau, den vermisse auch ich nicht. Vergangenheit.

Das mag ich so an Australien. Ich wohne hier zwar in JWD, aber über erstens Stau, zweitens stark anhaltenden Regen und drittens keinen Meerblick brauche ich mich nicht mehr grämen.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Tuesday, 20 July 2010

Der Zauber der Tiere


Die Nähe zwischen Mensch und Tieren kann hier in Australien sehr unmittelbar sein. So kann es geschehen, dass man auf einem Spaziergang ein oder mehrere Kängurus auf einer Lichtung erblickt. Ja, dass weiß ja eigentlich auch jeder über Australien. Sie hüpfen natürlich nicht durch die Zentren der paar Städte, die es hier in Australien sogar auch gibt. Koalabären, wenn auch meistens schlafend in Baumspitzen sitzend, sind auch keine Seltenheit. Geht man auf besonders leisen Sohlen umher, kann man sogar leicht auf den Echidna, einen Ameisenigel treffen. In einem Open Air Kino habe ich sogar schon mal einen Wombat in der Vorstellung getroffen. Der mochte wohl entweder Actionkomödien oder das Popcorn, dass ihm einige Zuschauer leider gefüttert haben. Dem Nemo bin ich auch schon begegnet und das nicht im Kino, sondern beim Schnorcheln am Great Barrier Reef. Neben vielen anderen unzähligen bunten Fischen bin ich dort auch einer Seeschildkröte begegnet.

So eine Bootstour ist ja bekanntermaßen lustig. Dementsprechend häufig unternehme ich auch eine. Um mit Delphinen zu schwimmen, bin ich mal aufs Boot und in die Bucht. Leider habe ich keine Delphine angetroffen, dafür aber sehr neugierige Seehunde. Mit denen war ich dann baden und das war für meinen Geschmack schon einmalig genug. Als ich absolut nicht damit gerechnet habe, habe ich Delphine gesehen, nämlich beim Cappuccino trinken am Strand. Sitz ich so im Café und sie schwimmen einfach in Strandnähe entlang. Einmalig. Bei einer weiteren ganz traumhaften Bootstour habe ich eine Kolonie Seelöwen mit vielen kleinen niedlichen Jungtieren besucht. Was für ein Getümmel da im Wasser herrschte.

Sehe ich hier die vielen Kakadus glücklich herumfliegen, wird es mir ganz schwer ums Herz. Nicht weil die hier frei und ausgelassen herumfliegen. Nein, denke ich doch spontan daran, dass ich diese bislang nur in Käfighaltung kannte. Viele Leute halten sich ja einen Papagei im Käfig und stutzen diesem sogar die Flügel. Hat man einmal einen Schwarm schneeweißer Kakadus laut kreischend vor der Kulisse eines knallblauen Himmels herumfliegen sehen, zweifelt man schwer daran, ob ein Käfig einen geeigneten Wohnort für einen Kakadu darstellt. Sie sind sehr gesellige Papageien und sitzen sicher nicht gerne alleine in einem Käfig und gucken den Menschen beim Kreuzworträtsel lösen zu. Für die kunterbunten Regenbogen Papageien, die die Äpfel in unserem Garten lieben und aufknabbern, gilt das Gleiche.

Sonntags, ein Spaziergang auf dem Pier. Mit viel Glück und Geduld, ja Zeit muss man sich schon nehmen, sieht man auch einen Zwergpinguin. Ich habe sie schon unter dem Pier hier am Strand oder beim Strandspaziergang gesehen.

Eine weitere Attraktion für mich ist der dickbäuchige Kookaburra. Ein Eisvogel, der gerne auf Stromleitungen oder Zäunen hockt und von dort aus die Welt beobachtet. Die muss ihm besonders am frühen Morgen sehr lustig erscheinen. Denn dann verfällt er in ein hemmungsloses, sehr herzliches und verrücktes Lachen. Der lachende Kookaburra sitzt dort auf dem Zaun zweifellos auch auf der Suche nach Nahrung. Zu seinen Leibspeisen zählen kleine Vögel und Echsen.

Erst heute habe ich gelesen, dass im Yarra sogar noch der sehr scheue Platypus vorkommen soll. Das Schnabeltier. Gesehen habe ich es leider noch nicht. Was nicht ist, kann ja noch werden. Dafür erfreue ich mich an den tausenden Flying Foxes, den Flughunden oder Fliegenden Füchsen die abends über dem Yarra entlang segeln.

Das richtig schöne ist wohl, dass man all diese Tiere hier einfach so erleben kann. Denn sie leben hier direkt neben den Menschen. Goanas, dass sind riesige Echsen. Emus, flugunfähige Vögel. Rochen, Kängurus, Koalabären, Echidnas, Wombats, Seeschildkröten, Anemonenfische, Delphine, Seehunde, Kakadus, Regenbogen Papageien, Zwergpinguine, Kookaburras, Fliegenden Füchse, Possums und manchmal sogar Wale. Wo kann man so etwas sonst noch so einfach in freier Wildbahn erleben?

Lasse ich diese Erlebnisse noch mal an mir vorbeiziehen, muss ich doch sagen, dass klingt nicht nur einfach paradiesisch, dass ist es auch. Dem einzigen Tier dem ich hier in Australien bislang zum Glück noch nicht persönlich begegnet bin und dem ich auch nicht gerne begegnen möchte, dass ist der Weiße Hai. Den hab ich jedoch vor kurzem in Südafrika vom Hubschrauber aus gesehen. Riesig, sag ich nur. Da wurde mir sehr mulmig, stellte ich mir vor, der taucht auf einmal neben meinem Surfboard auf. Kreisch.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 19 July 2010

Riesenkrabbenspinne und andere Achtbeiner



Das darf doch hier nicht fehlen. Wo kämen wir da denn hin? Ein Blog aus Australien ohne Spinnen im Programm. Geht ja gar nicht.

Ganz kurz nur. Hier in Australien leben ja auch ein paar giftige Spinnen. Die zwei giftigsten sind die Trichternetzspinne (Funnel Web Spider) und die Rotrückenspinne (Redback). Bisse dieser Spinnen können tödlich enden. In der neueren Geschichte ist an einem Biss wohl niemand gestorben. Eine Redback ist ungefähr 1cm gross, schwarz und hat einen roten Punkt auf dem Rücken. Sie ist eine echte Witwe, denn sie frisst nach der Paarung das Männchen auf. Das Männchen übrigens hat keinen roten Punkt auf dem Rücken. Eine andere erwähnenswerte Spinne ist die white-tailed spider, eine Plattbauchspinne. Ihr Biss endet nicht tödlich ist jedoch sehr schmerzhaft hörte ich neulich.

Mir geht es vielmehr um die großen Exemplare, denn die trifft man ab und an schon mal. Die sind richtig groß. Vorstellen sollte man sich zunächst mal einen Besuch im Terrarium des Zoos. Abgedunkelter Raum, gedämpftes Licht, ängstliche wirkende Besucher die riesige Spinnen anstarren. Gruselstimmung pur.

Nur, hier in Oz, da sieht das anders aus. Die Spinnen sind hier eigentlich nie in einem Glaskäfig. Die Riesenkrabbenspinnen, hier nennt man sie Huntsman, können die Größe einer Herdplatte haben, haben sie auch oft und deshalb kann man sie auch besonders gut herumlaufen sehen. Sie bauen kein Netz und sind echt schnell flitzende Spinnen. Obwohl, es gibt sie auch im Glaskäfig. Einmal beim Besuch des hier ansässigen Aquariums, da hatten sie eine Huntsman in einem Terrarium zur Ausstellung.

Man sieht die Huntsman oder andere Riesenspinnen nicht jeden Tag. Eher selten sind sie Begegnungen schon, doch die Größe der Spinne ist so ungewöhnlich für mich, dass man diese Begegnungen nicht so schnell vergisst. Doch man gewöhnt sich, wie so oft, an alles.

Zum ersten Mal als ich eine Riesenspinne gesehen habe, war das auf einer belebten Einkaufsstrasse in einem innerstädtischen Stadtteil. Ich war gerade erst einige Monate vorher hier in Australien eingetroffen und rechnete ungeziefertechnisch täglich mit dem Allerschlimmsten. Meine erste Riesenspinne saß fett an einer Hauswand eines Cafés. Plötzlich, ein hysterischer, markerschütternder und greller Schrei, ich. Überzeugt hat er die im Café sitzenden Leute nicht besonders. Diese waren mehr aufgeregt und verwundert über mich, als über die Spinne selber. Die Reaktionen der Anwesenden ließ mich deutlich spüren, dass sie mich allesamt als komplett verrückte Touristin einstuften. Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, hab ich das Exemplar fotografiert. Beute gemacht, so was glaubt ja sonst niemand. So groß war die gute Riesenspinne. An dem Tag hatte ich das Gefühl ich hatte die allergrößte Spinne in Australien, wenn nicht der Welt, gesehen. Zu Denken gegeben hat es mir zu dem Zeitpunkt nicht, dass die anderen Leute gar nicht erschrocken waren über die Spinne mit ihren dicken haarigen Beinen. Heute ist mir klar warum, man sieht so eine Art Spinne doch relativ oft. Auf dem Land und aber auch in der Stadt. Bis heute bin ich leider nicht sicher, auf was für eine Art Spinne ich damals getroffen bin.

Vor einigen Wochen hatte ich eine Huntsman im Auto und die war fast so groß wie mein Wagen. Scherz beiseite, doch groß war sie wirklich. Als ich die Tür öffnete, saß sie an der A-Säule meines Autos. Und ruckzuck war sie auch schon verschwunden, als die Tür aufging. Gesucht wurde daraufhin stundenlang nach ihr, um genau zu sein, drei Stunden lang. Erst als mir diese dann endlich präsentiert wurde, war meine Welt wieder heil. Wie die da hinkam, keine Ahnung.

Nach und nach wurde mir klar, dass ich mich an Spinnen gewöhnen muss. Was ich also in den ersten Monaten hier in Australien gemacht habe, um mich an den Anblick dieser Riesenspinnen zu gewöhnen, ist dass ich mir mein „Trophäen-Photo“ jeden Tag angesehen habe. Nach einiger Zeit wurde der Anblick für mich immer normaler. Und wenn ich jetzt eine im Auto habe, oder bei Freunden sitze und die haben eine Riesenkrabbenspinne an der Wand sitzen, kreische ich nicht mehr hysterisch und falle auch nicht Ohnmacht, sondern trinke ganz in Ruhe noch eine Tasse Tee.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Thursday, 15 July 2010

Was ich mir hier manchmal so wünsche

Was ich mir hier manchmal so wünsche? Viele Dinge. Leider sind diese irgendwie aber nicht zu kriegen oder wenn ich sie hier kriegen könnte, sind sie unbezahlbar. „Gewusst wie“ plus Kontakte in die Heimat braucht der Mensch da.

Dr Hauschka, Alverde und Weleda Produkte kauft man bei uns in Deutschland entweder in der Apotheke oder im Drogeriemarkt. Die Preise dafür sind relativ günstig. Hier ist das leider nicht so, denn die Jennifer Aniston und noch viele andere ganz tolle Prominente benutzen die Produkte auch, erzählte mir eine ganz vorwitzige Verkäuferin. Eine Tube Dr Hauschka Tagescreme würde mich hier deshalb auch 58 AUD kosten. Vergleiche ich das mit den EUR 16 in Deutschland, wird mir ganz anders. Da hat sich meine Oma schon das Gesicht mit eingecremt. Zum Glück hat man Verwandte und Freunde in Deutschland.

Gerne stöbere ich auch in Zeitschriften herum. Ich muss sogar so weit gehen zu sagen, dass ich zeitschriftenabhängig bin. In Deutschland da war meine Abhängigkeit ja auch kein Problem. Abonniere ich zum Beispiel die Elle für 2 Jahre, kann ich das in Deutschland für EUR 60 tun, kaufe ich sie mir in Deutschland am Kiosk kostet diese EUR 5,50. Gehe ich hier in Oz in einen Zeitschriftenladen würde mich das AUD 19 pro Exemplar kosten. Ein ‚Elle UK’ Abo würde mich hier für ein Jahr AUD 264 kosten.

Der Stern kostet in Deutschland derzeit EUR 3,20. Ein 12-monatiges Stern Abo würde mich hier in Oz AUD 635 kosten, aber nur wenn es mit dem Schiff angeliefert wird. Bei Flugzeug Anlieferung kostet ein 12-monatiges Stern Abo AUD 881. Echt genial, dass man den Stern hier kaufen kann, dass muss man schon zugeben. Doch bei dem Preis, da bleibt einem doch die Luft weg. Man zahlt also für veraltete Nachrichten AUD 635, denn die Zustellung mit dem Schiff dauert ja ungefähr 7 Wochen.

Der Spiegel kostet in Deutschland derzeit EUR 3,80, hier bieten ihn mir die geschäftstüchtigen Händler für AUD 21,45 an. Für ein 12-monatiges Spiegel Abo müsste ich hier sage und schreibe AUD 908 hinlegen. Man, da kann ich mir ja fast einen Kleinwagen für kaufen. Nicht in Australien, schon klar.

Die Vogue kostet in Deutschland derzeit EUR 6, hier in Oz müsste ich dafür AUD 19 hinblättern. Bei den Preisen die hier verlangt werden, frage ich mich echt, ob die Magazine in der Business Class fliegen. Stelle ich mir so vor „Entschuldigung Frau Vogue, kann ich ihnen noch einen Orangensaft bringen“? Oder wird die Einfuhr von Zeitschriften mit einer saftigen Luxussteuer belegt, damit nicht so viele Ozis merken was im Rest der Welt so vor sich geht? Ja genau, damit sie gar nicht erst merken was sie hier verpassen? Kann sein.

Ich bin jedoch mehr als froh keine Französin zu sein. Die französische Elle lag beim Händler mal ganz unschuldig neben der deutschen Elle. Die deutsche Elle war für schlappe AUD 19 zu haben. Neben dieser Erkenntnis habe ich auch eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Die französische Meinung zur Mode ist hier anscheinend mehr Wert als die deutsche. Viel mehr Wert sogar. Französisch sprechen, verstehen und lesen. Wie oft hat man sich das gewünscht? Hätte ich früher in der Schule im Französisch Unterricht besser aufgepasst, ganz ehrlich, dass würde mir auch nicht helfen. Als hätte ich es damals schon geahnt, dass Französisch mich nicht weit bringen wird, zumindest nicht in diesem Fall. Gut ich konnte nun nicht die allerneuesten Trends in der französischen Elle nachlesen. Schade. Doch musste ich auch nicht AUD 37 berappen, um dies machen zu können. Da müsste ich ja schon echt verrückt sein, für eine Zeitschrift AUD 37 auszugeben. Wie schön, ich bin ja nur deutsche.

Zum Glück kann ich hier in Oziland in den Buchladen gehen, Cappuccino trinken und alle Magazine gemütlich umsonst lesen. Die australische Vogue kostet übrigens nur AUD 8,50. Die lese ich aber noch nicht einmal umsonst. Lohnt sich inhaltlich irgendwie nicht.

Was gibt es schöneres als bei H+M, Zara, Cos oder Massimo Dutti zu relativ erschwinglichen Preisen modische und schicke Klamotten zu kaufen? Und das mal gerade eben so zwischendurch in der Mittagspause? Ja genau, nicht viel. Das geht ja hier aber auch nicht. Es gibt nämlich keinen dieser Läden in Oz. Wenn ich mal im Urlaub bin, hier sozusagen mal runterkomme von der Insel und mich auf den Weg in ein Land mache, in dem es die Geschäfte gibt, dann kaufe ich dort einfach alles was ich mir vorstellen kann irgendwann mal zu gebrauchen. Doch das ist natürlich bei Weitem nicht das Gleiche, als könnte ich ständig darauf zugreifen. Seufz. Dieses Anliegen lies sich bislang also nur mit Verreisen lösen.

Kaufhäuser, in denen es wirklich alles gibt. Die haben schon was und die vermisse ich. Man geht da einfach rein und da gibt es alles was man so braucht. Pusteblume in Oz. Hier können sich ganz kleine Anschaffungen zu einem riesigen Unterfangen entwickeln. „Projekt Weltkarte in Rahmen und Reiseziele mit Stecknadelköpfen bespicken“ bedurfte wochenlanger Realisierung. Wollte ich schon lange Mal machen, nun war die Zeit reif. Gesucht habe ich eine Weltkarte, einen Rahmen, Klebstoff mit dem ich die Weltkarte auf den Rahmen anbringen kann und Stecknadeln. Weltkarte finden, war schon so ein Akt für sich. Nach vielen Anläufen bin ich dann endlich in einem Buchladen fündig geworden. Auf der Suche nach einem Rahmen fragte ich in ungefähr fünfzehn Geschäften nach, bis ich einen passenden gefunden habe. Gut, ich hätte auch für AUD 140 einen Rahmen in einem Rahmengeschäft kaufen können. Klebstoff, ja gut, wo kriegt man denn jetzt her? Paar Geschäfte später hatte ich auch einen brauchbaren gefunden. Ach dachte ich mir, jetzt kauf ich noch schnell ein paar Stecknadeln. Moment mal, schnell? Quatsch. Schnell, dass gibt es hier nicht. Jetzt kann ich ehrlich nicht sagen, was so eine 30er Packung Stecknadeln in Deutschland so kostet. Als in mehreren Kurzwarengeschäften AUD 8 von mir verlangt wurde, fühlte sich das einfach falsch an. Hab mal schnell in Deutschland gegoogelt. Da habe ich einen Anbieter gefunden der 0,60 EUR für 40 Stück verlangt. Letztendlich habe ich hier auch noch welche für AUD 4,80 gefunden. Goldener Mittelweg.

In Deutschland kostet das aber nur…., so darf man hier gar nicht denken, denn dann könnte man sich gar nichts mehr kaufen. Man muss sich von dem Gedanken verabschieden. Man muss halt einfach in den sauren Apfel beißen. Augen zu und durch.

Das einzige was ich bislang absolut noch nicht lösen konnte, dass ist wie ich an leckeres Basilikum herankomme. Ich spreche von Basilikum, welches auch nach Basilikum schmeckt und nicht nur so aussieht. Aber es ist ja auch eigentlich schön, wenn man noch Träume hat.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Tuesday, 13 July 2010

Schni Schna Schnappi


Viele Australienbesuchende Touristen lieben es im Northern Territory, Queensland oder Western Australien auf eine Bootstour zu gehen. Abenteuer pur. Krokodile, Krokodile, Krokodile. So ein Krokodil mal in echt sehen, dass ist ja schon sehr aufregend. Ein Salzwasserkrokodil, hier in Oz ‚Salti’ genannt (Salti, Kurzform für Saltwater Crocodile) ist gefährlich. Spätestens seitdem wir Crocodile Dundee kennen lernen durften, wissen wir das alle.

Ein Krokodil ist ja ein Tier, es lebt in Flüssen und deshalb kann man auch seine Uhr nicht nach dem Krokodil stellen. Wie diese Urviecher also anlocken, um sie Touristen vorzuführen? Findige Ozis hatten die tolle Idee, aus einem Boot an einer Angel Fleisch über das Wasser zu halten. Zur allgemeinen Begeisterung schießt meistens auch ein Salti aus dem Fluss und schnappt nach dem Fleisch am Haken. Klick, klick, klick machen da die Kameras und Schni Schna Schnappi das Krokodil, so oder ähnlich. Das sind Riesenbrocken, ungefähr 5 Meter lang.

Es kam wie es kommen musste. Manche Krokodile attackieren nun oft herannahende Boote. Jetzt kann man von zwei Möglichkeiten ausgehen. Die wollen spielen oder leichte Beute machen, sie erwarten ja dass jemand Fleisch über Bord hält, welches sie sich schnappen können. Herausfinden werden wir den Grund wohl nicht. Vor einigen Jahren fiel ein Krokodil ganz besonders negativ auf, indem es jedes vorbeikommende Boot angriff. Der Mensch begibt sich in das Territorium der Krokodile und lockt sie an, um damit Geld zu verdienen. Und auf jeden Fall sind die Krokodile die Bösen. Dieses äußerst gefährliche und freche Krokodil wurde umgehend gefangen und in einen ‚Wildlife Park’, was so eine Art kleiner Zoo ist, strafversetzt. Getauft wurde der 800 kg Bursche auf den Namen Fatso. Hier können ihn nun Leute ansehen, die sich die Bootstour nicht zutrauen, aber doch gerne ein Krokodil in Australien sehen möchten.

Wenn die Krokodile nicht gerade Kunststückchen für abenteuerlustige Touristen vorführen, warten sie im Wasser auf Beute. Sie schnellen aus dem Wasser, ergreifen ihre Opfer und ertränken sie. Ein Salti lässt nichts und niemanden gehen. Was es einmal gepackt hat, wird getötet und verspeist.

Gestern Abend in Broom, Western Australien. Einem Touristen war es verdammt langweilig. Ja, auch das kann einem hier passieren. Langeweile. Diese Langeweile hat der Typ bei einem Besuch im Pub mit Alkohol betäubt. Er war wohl so betäubt, dass er aus dem Pub geschmissen wurde. Irgendwie hatte er aber wohl doch noch Lust was Spaßiges anzustellen und ist eben zu dem kleinen Zoo gegangen, in welchem Fatso jetzt zu wohnen hat. Wahrscheinlich fühlte der Mann sich auch etwas einsam. Er stieg in Fatsos Gehege und wollte ihn streicheln und auf ihm reiten. War ja schon spät und Fatso hatte den ganzen Tag für Touristen posiert. Er war schon eingedöst. Um dem jungen Mann anzudeuten dass er keine Lust auf Besuch hat, hat er diesen kurzerhand ins Bein gebissen. Fatso wollte wohl wirklich einfach nur noch schlafen um diese Stunde, denn er hatte noch nicht einmal Lust diesen Eindringling zu töten. Mit starken Bisswunden schleppte der Mann sich zurück über den Zaun und konnte mittlerweile im Krankenhaus versorgt werden. Ganz schönes Glück im Unglück. Das Glück ist mit den Doofen.

Die Polizei ist sich sicher, dass der Mann sich nicht so mit Salzwasserkrokodilen auskennt, weil er aus dem Osten Australiens kommt. Kennen die den Crocodile Dundee etwa nicht?

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Hier noch zwei Kommentare aus der Tageszeitung zu dem Vorfall:
Stupid Tourists!! Who Needs Them??
Maybe We Should Tell All Tourists If You Can Ride The Real Crocodile
For 30 secs You Get A Big Prize.
Like a Free Ride To The Hospital or Free Ride To Crocodile Hell!

And the state govt is encouraging them to come here?
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Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 12 July 2010

Alles voller Fuchskusus hier


Gestern war mal wieder ein herrlicher Tag, mit strahlend blauem Himmel und winterlichen milden 16 Grad. Am Strand und auf der Promenade war entsprechend dieser idealen Bedingungen einiges los. Sonntag. Die Cafés waren bis auf den letzten Stuhl mit Capuccino-Trinkern besetzt, die bei Livemusik den Blick aufs Meer und den Nachmittag genossen. Andere fuhren Rollerblades oder Fahrrad, joggten, führten ihre Hunde mit Mäntelchen bekleidet, Gassi und wieder andere konnten sich mit dem Fotografieren ihrer im Sand spielenden Kinder begeisterten.

Das hört sich ja schon alles herrlich an. Doch die eigentlichen Stars des Tages die traf ich erst nach Einbruch der Dunkelheit. Ich kann hier in Australien Fuchskusus beobachten und muss gar keinen Eintritt dafür bezahlen. Und das auch noch so häufig und wann immer ich das Verlangen dazu habe. Gestern entschloss ich mich, die Fuchskusus mal wieder im Park zu besuchen. Das mach ich so ab und an mal, denn ich bin ein echter Tiernarr. Reges treiben im nächtlichen Park am Meer. Auf den Palmen und auf der Wiese sah man gleich mehrere braun-beige farbige Fellknäuel mit großen Knopfaugen, noch größeren runden Ohren, pinkfarbener Nase und dicken buschigem Fellschwanz herumtollen. Fuchskusus. Auf Englisch heißt der Fuchskusu übrigens Possum. Die Possums sind einfach niedliche kleine Gesellen. Und wunderbar zu beobachten, sobald es dunkel ist. Nachtaktiv sind sie, am Tag schlafen sie in Bäumen oder gerne auch als uneingeladene Gäste auf Dachböden. Im nächtlichen Park wimmelt es auch von umherhuschenden Ratten. Sobald diese einen erblicken, tauchen sie verschreckt und kopfüber in einen Gulli.

Wenn die Possums nicht grade Opfer von falscher Tierliebe werden und sie von Passanten mit Brot gefüttert werden, mögen sie Früchte, Blätter, Pflanzen, aber auch Insekten und sogar Vogeleier. Hätte bei der Schöpfung jemand gewollt, dass die Possums Brot zum Überleben benötigen, hätte man ihnen doch auch sicherlich die Gabe des Brotbackens verliehen. Die Possums sind wilde Tiere. Und wilde Tiere sollte man nicht füttern und streicheln.

Ich sehe auch oft Possums hier in meiner Straße. Teil ihrer kleinen akrobatischen Kunststücke ist es, sich in einem Balance Akt auf einer Stromleitung von der einen Straßenseite auf die andere zu hangeln. Laufe ich durch eine baumbestandene Straße, raschelt es über mir, blicke ich suchend hoch, beobachten mich garantiert neugierig große braune Knopfaugen. Tagsüber sieht und hört man die Fuchskusus nirgendwo, doch sie sind mitten unter uns.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Saturday, 10 July 2010

Heute fühle ich mich echt UGG


Am Anfang war ein Schafsfellstiefel. Die Legende sagt, dass australische Schafscherer um 1930 auf die glorreiche Idee kamen, Stiefel aus Schafsfell zu tragen. Während der ungemütlichen Winter die sie auf den Bauernhöfen zu verbringen hatten, waren sie warm und angenehm zu tragen. In 1960 begannen Surfer sich Schafsfell Socken zu nähen, sodass sie diese überstülpen konnten, sobald sie aus dem Wasser kamen. Zusammengewerkelte Stücke, mehr Socken als Stiefel erzählt man sich. Zusammengenähtes Schafsfell, das Fell innen, ohne harte Sohle. Angeblich entstand so der Name ‚Ugg Boot’, weil sie nämlich so hässlich aussahen. Ugly = hässlich.

Die Ozis sind ganz stolz auf diese tolle und in ihren Augen sehr einzigartige Erfindung. Die armen Neuseeländer glauben übrigens aber auch, diese ins Leben gerufen zu haben. Irgendein Ozi, ein Surfer, hat diese Stiefel dann mal mit nach Amiland genommen und angefangen diese dort zu vermarkten.

 Ugg-Boot-Schuh-Vereinigung

Eine amerikanische Firma hält die Rechte an dem Namen UGG. Die Ozis sind felsenfest überzeugt, dass Uggs ein uraustralisches Produkt sind. Deshalb haben sie auch flott die ‚Ugg-Boot-Schuh-Vereinigung’ gegründet. Denn das wollten sie sich nicht gefallen lassen. Eine Firma in Perth, Australien beantragte, das Markenrecht für den Namen Ugg aufzuheben, da es sich dabei um einen Gattungsbegriff und nicht um eine Marke handelt. Dem Gesuch wurde von einem australischen Gericht sofort stattgegeben, denn UGG ist hier in Oz ganz wirklich ein Adjektiv und keine Marke. Gilt nur für Oz, wie immer werden hier ganz eigene Regeln geschaffen, so wie es grad am Besten passt. In USA und Europa ist UGG ein Markenname.

Jetzt trägt ja schon seit Jahren jeder der was auf sich hält UGG Boots. Egal ob Winter oder Sommer. Stars und Sternchen lieben UGG’s. Die lieben aber die UGG Australia Boots, die ja eigentlich aus Amiland kommen. Sucht man hier in Oz nach Ugg Boots kann man sich diese natürlich auch kaufen. Doch man braucht nicht erwarten, dass diese auch nur annähernd cool oder von gleicher Qualität sind. Das sind halt Schafsfellstiefel wie der Schafscherer sie 1930 getragen hat. Denn Ugg’s sind nicht gleich UGG Australia. Man kann hier in Australien sogar aber auch die echten UGG Australia kaufen (die aus Amiland). Doch sind diese hier dementsprechend teurer als in Europa oder USA.

Australier in Verteidigungsstellung

Spricht man Australier auf Ugg Boots an, gehen sie umgehend in Verteidigungsstellung. Wie eine Löwenmutter kämpfen sie für ihr Junges. Natürlich wurden die Schafsfellstiefel in Australien erfunden. Natürlich kann man sie hier überall kaufen. Natürlich, an jeder Ecke. Natürlich sind die Ugg Boots echter als die UGG Australia Boots. Natürlich. Natürlich. Natürlich. Ist das erst mal klargestellt, geht es gleichbleibend interessant weiter. Die trägt ja hier keiner, die trägt man nur im Haus, aber unter keinen Umständen draußen. Schlimm, ach mein Gott, die gehen echt nur als Pantoffel, nie würde ein Australier die auf der Straße tragen. Natürlich nicht. Ich wohne ja bekanntlich schon seit ein paar Jahren hier und kann das nicht bestätigen, jeder hat diese hier an. Andauernd. Man kann sie ja auch an jeder Ecke kaufen. Sehr bequem. Natürlich.

UGG Stiefel, hm ich weiß nicht so genau. Mal ganz davon abgesehen, wer diese jetzt erfunden hat oder wer diese in bester Qualität herstellt. Wenn ich so einen Quatsch höre, geht es mir natürlich immer ganz Ugg.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Thursday, 8 July 2010

Patriotismus, Sonnenschein und endlose Strände


40 Grad herrschten an dem Tag an dem ich vor vier Jahren hier in Oz gelandet bin. Toll, dachte ich mir, endlich konnte ich mal einen echten Sommertag erleben. Bin an einem kalten grauen Aschermittwoch in Deutschland los geflogen und konnte 40 Grad und Sonne gut gebrauchen. Viele Gebäude und Stadtteile sehen hier runtergekommen aus, das hat mich am Anfang ziemlich erschrocken. Scheint die Sonne auch aus einem noch so schönen Winkel auf die baufälligen Holzhütten, werden diese dadurch lange noch nicht schöner. Mittlerweile hat man sich an dieses Aussehen gewöhnt. Man gewöhnt sich ja, so wie immer, so ziemlich an alles.

Der australische Straßenverkehr mit den unsicheren und schlecht ausgebildeten Autofahrern ist nervenaufreibend. Regeln kennt anscheinend niemand und alle kriechen herum. Die Australier sind zu sehr auf sich selbst zentriert, die Ignoranz gegenüber dem Weltgeschehen ist einfach unfassbar. Alle nehmen sich sehr wichtig hier. Das ist schwer nachzuvollziehen. Das Umgangsklima ist eher rau, Schimpfworte benutzt man gerne und in allen Situationen. Viele hier sind eher ausländerfeindlich, was schwer nachzuvollziehen ist, ist Australien doch ein Einwandererland. Der Patriotismus ist so verinnerlicht, dass viele Australier wahrscheinlich gar nicht realisieren, wie brutal ihre Aussagen oft rüberkommen. Ihre Unwissenheit verstecken sie oft hinter Überheblichkeit. So wie auch gerade bei der FIFA WM, als Fußball nach der Niederlage als Mädchenspiel bezeichnet wurde. Gleichzeitig noch ein wenig Frauen abwerten, erlebt man leider auch oft. Fast niemand interessiert sich für die Umwelt. Recycling, Doppelverglasung, Isolierung der Häuser, Zentralheizung. Kennen viele gar nicht. Ein Arztbesuch ist immer ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Regelmäßig Zeit mit der Familie und Freunden aus Deutschland zu verbringen, dass wäre was. Mal wieder ausgelassen Karneval feiern, ins Theater oder ins Museum gehen. Und das sogar in Paris, Barcelona oder London, bei einem Wochenendstädtetrip. Von Australien aus sind das leider Fernreiseziele.

Würde ich jetzt aber aufgrund der Fakten wieder zurück nach Deutschland ziehen, dann würde ich wohl nicht mehr nur fünf Minuten vom Strand entfernt wohnen. Hier gibt es unzählige Strände. Man kann theoretisch an jedem Wochenende des Jahres zu einem jeweils neuen Strand fahren. Stundenlange Strandspaziergänge werden ja nie langweilig. Das Wetter ist auch im Winter gut. Selbst im Winter ist es tagsüber nie kälter als 12 Grad. Der Frühling, der Sommer und der Herbst, sind allesamt mild, trocken und angenehm.

Was will man mehr? Will man mal woanders hin, sind es auch nur einige wenige Flugstunden bis nach Neuseeland, in die Südsee oder nach Asien. Von Deutschland aus, stellen solche Ziele wiederum eine nahezu unerschwingliche Weltreise dar. Und hier in Australien kann man ja auch tausende von Kilometern mit dem Wagen herum fahren, man braucht noch nicht einmal irgendwo hinzufliegen. Ich sollte mich also nicht beschweren.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Wednesday, 7 July 2010

Deutschland. Traditionen, Geister und Orakel



Gewisse Dinge macht man einfach automatisch. Irgendwer hat einem diese vorgelebt und man macht einfach mit oder macht sie später einfach nach. Traditionen, die einfach so da sind. Am Vorabend des 1. Mai geht man für gewöhnlich gerne tanzen und trinkt dazu Maibowle. Tradition. Der Frühling ist da. Tanzt man am 1. Mai um den Baum herum, fragt sich ja niemand warum man das jetzt macht. Tradition. Man hat einfach Spaß und das jedes Jahr immer wieder aufs Neue. Osterfeuer. Auch so eine schöne Tradition. Sieht man im November dem St Martin zu, wie er seinen Mantel mit einem Bettler teilt, dann ist das einfach so. Am Feuer sitzend freute man sich als Kind über seine selbst gebastelte Laterne und auf die Leckereien, die es im Anschluss gab. Tradition. Fängt man hier an, den Australiern von St Martin zu erzählen, erweckt man den Eindruck auch noch an den Weihnachtsmann zu glauben.

Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam, Allerheiligen. Lange Wochenenden an denen man meistens nach Holland fährt. Da sitzt abends niemand am Strand und grübelt über den tieferen Sinn der Feiertage nach. Beginnt man hier zu erklären warum und wie wir diese Feiertage in Deutschland im Rahmen des Kirchenjahres feiern, schaut man in erschrockene Gesichter. Die in Deutschland leben also alle streng nach den Regeln der Kirche.

Man gratuliert niemandem vor dem Geburtstag, bringt Unglück. Wir gratulieren ja erst wenn etwas tatsächlich erreicht, vollbracht, gelungen ist. Man möchte ja schließlich keine bösen Geister rufen. Böse Geister rufen, gucken einen alle fragend mit großen Augen an. Die glauben noch an Geister in Deutschland? Ja, nein, irgendwie schon. Aber eigentlich glaubt man ja echt nicht an Geister. Da ist man ganz sicher. Doch man möchte trotzdem unter keinen Umständen, dass einem jemand verfrüht zum Geburtstag gratuliert.

Und jetzt auch noch das WM Orakel, an das wir in Deutschland alle glauben. Der Tintenfisch Paul, von dem wurde hier heute sogar in der Tageszeitung berichtet. Und zwar ganz so, als würden die Deutschen den ernst nehmen.

Zugegebenermaßen und so betrachtet, sind wir Deutschen doch wirklich sehr merkwürdig. Wie will man hier in Oz jemandem glaubhaft machen, wir wären aufgeklärte moderne Menschen.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 5 July 2010

Die Schreckensherrschaft der Jogginghose



Hier gibt es schon viele gute Geschäfte. Jigsaw, Karren Millen, Mango, FCUK, Benetton, Pepe Jeans, G-Star. Moment, die sind doch alle Europäisch. Ach so, es gibt natürlich auch tolle Australische Geschäfte hier. Gorman, Sportscraft, Peter Alexander, Country Road.

In der Benetton Filiale, in der Innenstadt von Melbourne ist es meistens gähnend leer. Der Verkäufer erzählte mir, dass die Australier diese Art der Mode nicht so anspricht. Er war aber der Meinung es brauche wohl noch einige Zeit, bis Benetton hier angenommen wird. Jetzt wird sogar gemunkelt Zara und H+M sollen hier bald eröffnet werden. Bin gespannt, wie das gelöst wird. Die fertigen und verkaufen die Mode in so einem rasanten Tempo. Gerade eben bei einem Designer gesehen, nachgeschneidert und kurz darauf hängt es schon für die Massen zum Verkauf bereit auf der Stange in den Läden. Wie soll as Konzept hier aufgehen, mit den zu Europa/USA/Asien Entgegengesetzten Jahreszeiten? Kriegen wir dann hier die Ware die in Europa niemand mehr braucht? Obwohl, dass wäre ja nicht mal schlimm. Noch immer viel besser als das was man hier ansonsten als Mode bezeichnet.

Geschäfte die hier als schick, cool und auf einem internationalen Standard und typisch australisch gelten verkaufen Schlechtgefertigte Stücke. Schade, dass man hier keinen Karneval feiert, denn in den Läden kann man sich sehr kostengünstig ein herrliches Kostüm zusammenzustellen. Valleygirl, Sportsgirl oder Dotti. Billiger Ramsch. Gut, gut, gut, ist ja auch Geschmacksache. Wenn ich alleine daran denke wie viel unzählige Verkäufer/innen ich über all die Jahre schon mit dem Hinweis auf mangelnde Qualität verschreckt habe, wird mir ganz anders. Polyester ist halt billiger und die Leute kümmern sich nicht darum, aus was die Kleidung hergestellt ist, erklärten mir viele.

Sobald hier eine Zeitschrift auf einen Trend aufmerksam macht, kann man diesen garantiert kurz darauf an vielen der Modebewussten Einwohner sehen. Da sind die schon verlässlich. Wie kleine Soldaten in Uniform laufen die Opfer der neuesten Trends Selbstbewusst durch die Strassen. Doch das alle so aussehen wie verkleidet, dass merkt man nicht. Jedem Trend blind zu folgen, dass hat wenig Stil. In Europa ist man ja ständig von Kunst und Kultur umgeben. Das inspiriert. Einen Vorwurf kann man den Ozis da ja also gar nicht machen. Welche Muse soll einen denn hier auch küssen?

Im letzten Jahr war ich im Frühjahr in England, später im Jahr in Südafrika, Botswana und einen Abstecher nach Kambodscha habe ich auch noch gemacht. Erst vor einigen Wochen bin ich aus China zurückgekommen. Bin halt gerne unterwegs. 'Weg zu sein' ist immer schön. Zwischen dem Entdecken fremder Kulturen, exotischer Küchen, karger Landschaften und lebenslustiger Menschen liebe ich es einzukaufen. Bin ja auch nur eine ganz normale Frau.

Stehe ich in einem Geschäft auf der Long Street in Kapstadt oder irgendwo in einer hippen Boutique in Phnom Penh oder streife ich über die Ehrenstrasse in Köln, staune ich mit großen Augen. Dieses Angebot, so willig verfügbar. Sofort vergesse ich wo ich wohne. Die Strände hier in Oz sind perfekt, die Sonne scheint andauernd. T-Shirt, Shorts, Sonnenhut und Flip Flops, das ist es. Ja, mehr braucht man für die meiste Zeit des Jahres nicht. Sehe das alles ganz anders. Mode muss sein, sie ist Ausdruck der Persönlichkeit. Möchte ungern jemanden mit der Ansicht einer ungepflegten schlabberigen Jogginghose beim Bäcker zur Last fallen.

Die Pferde gehen eigentlich immer mit mir durch beim Einkaufen. Ein neues Jackett, eine gut geschnittene Hose oder ein Kleid passen immer noch in meinen Koffer. Habe ich mich erst einmal in 'Rage' gekauft und den Duft der 'Grossen Weiten Welt' geschnuppert, geht alles.

Es kommt wie es kommen muss. Zuhause in Melbourne angekommen, werden erst einmal die Koffer ausgepackt. Abends geht es dann in eine Bar, ein paar bekannte Gesichter treffen. In der Straßenbahn muss ich ganz einfach ignorieren, dass ich mit meinen Klamotten etwas overdressed daherkomme. In der Bar dann das gleiche Spiel. Die anderen Gäste tragen T-Shirts und Turnschuhe und die Frauen auch sehr gerne und alarmierend knappe Polyester Kleidchen mit hohen Absätzen. Aber mich aufgeben werde ich nicht.

Es gibt doch auch hier echt famose Designer, Sass & Bide, Gorman, Fleur Wood. In diesen Produkten braucht sich niemand zu verstecken. Doch nein, wird von vielen Australiern einfach ignoriert. T-Shirts, Flip Flops oder halbnackt mit Stöckelschuhen. Nein. Kann ich nicht. Mach ich nicht. Will ich nicht. So! Nein, ich werde auch nicht im Schlafanzug in den Supermarkt zum Wocheneinkauf gehen. Ja, ist niedlich. Aber nein. Mach ich auch nicht. Sind alle so entspannt hier, doch das ist weder schön noch begehrenswert.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Saturday, 3 July 2010

Harte Zuwanderungspolitik in Australien

Die Premier Ministerin wurde von einem Journalisten gefragt, wie sie und Ihre Partei in Zukunft mit Asylsuchenden umgehen werden. Sie erwiderte, dass sie die Angst der Australier vor den Booten, die an Australiens Küsten unangemeldet ankommen, anerkennt.

Sollte sie nicht mit einem guten Beispiel vorangehen? Sollte sie nicht intelligenter sein und wissen, dass Asylsuchende keine Gefahr für ein Land darstellen? Zurzeit gibt es in Australien ungefähr 4110 Asylsuchende. Niemand von den Flüchtlingen verlässt das eigene Land, weil dort das Wetter nicht so gut ist oder weil in Australien die Strände schöner sind. Die Flüchtlinge verlassen ihr Land, weil sie politisch verfolgt werden oder ihre Heimat eine Krisenregion ist.

Die Premier Ministerin schürt mit ihrer Aussage die Angst vor Asylsuchenden weiter und will sich höchstwahrscheinlich damit Wählerstimmen sichern. Ihre Partei ist ja eher linksgerichtet, doch da der Grossteil der Australischen Bevölkerung gegen Zuwanderung ist, gibt sie sich lieber hart gegenüber Fremden. Breite Teile der Bevölkerung sind der Meinung hier auf der Insel leben genug und Einwanderer kommen ja nur hierher, weil man hier alles umsonst bekommt. Dabei geht es den Australiern um Immigranten. Gemalt wird alles in den dunkelsten Farben. Laut einer Umfrage nehmen die Ausländer den Australiern die Arbeit weg, die Infrastruktur bricht bald zusammen und die Umwelt machen sie auch noch kaputt. Komisch, habe hier in all den Jahren nie den Eindruck gewonnen, dass sich so außerordentlich viele um die Umwelt kümmern. Viele Haushalte wissen doch noch nicht einmal was Recycling ist. Doch jetzt auf einmal, da ist der Umweltschutz ganz wichtig.

Warum legt die Regierung nicht einfach mal ein paar Fakten auf den Tisch? Warum sagt sie nicht, wir sprechen hier von 4110 Asylsuchenden, von 4110 Menschen, die unsere Hilfe brauchen? Warum wird das alles so Wischiwaschi in den Medien verkauft. Ohne Fakten. Nur leeres Gerede und Andeutungen, die Angst machen. Nichts Genaues weiß man nicht. Dieser ganze Hass gegen Ausländer und Asylanten nervt. Schlimm, jetzt muss ich mich schon selber bemitleiden. Hass gegen Ausländer und Asylanten nervt mich überall, in jedem Land. Die Harte Zuwanderungspolitik Australiens ist doch auch ein echter Witz. Denkt denn hier keiner nach? Was wenn morgen alle Ausländer geschlossen Australien verlassen würden?

Australiens Premier Ministerin wurde als Engländerin geboren und ist im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern hierher gezogen. Was hätte sie wohl gemacht, wären ihre Eltern damals als zu ‚alt’, zu ‚arm’, zu ‚aidskrank’ oder zu ‚ungebildet’ erklärt worden?

Schöne Grüße aus Melbourne!

Friday, 2 July 2010

Heuschreckenplage und wie man diese bekämpft


Vor einigen Monaten herrschte hier eine riesige Heuschreckenplage. Millionen Heuschrecken kamen über den Murray aus NSW in den Bundesstaat Victoria, dabei deckten sie eine Fläche von mehreren hundert Kilometern ab. Die Heuschrecken haben die Karotten und Haferernte in Victorias Nordwesten in nur einem Tag gefressen. Auf einer Farm verspeisten die Heuschrecken 25 Millionen Karotten. Der Viktorianische Beauftragte für ‚Landplagen-Heuschrecken’ berichtet von Bauernhöfen, auf denen ungefähr 8000 Hektar Raps an einem Tag komplett verschwunden sind. Die Heuschrecken machten auch vor Weideland nicht halt. 50.000 Hektar Viehweide wurden auch einfach aufgefressen. Viele Farmer haben nun Angst vor den zukünftigen Verlusten, die ihnen widerfahren könnten, solange man die Heuschrecken nicht unter Kontrolle bekommt.

Experten sagen voraus, dass die bevorstehende Frühlings- und Sommerheuschreckenplage massiv wird. Ganze Ernten würden wieder zerstört, Flughäfen müssten eventuell geschlossen und Sport Veranstaltungen abgesagt werden. Jetzt sorgt die Regierung vor. Ganz geschickt und ohne viel trara. Zunächst einmal wird sie die Heuschrecken zu einer „exotischen“ fremdartigen Plage erklären. Mit diesem pfiffigen Schachzug ändert sich nämlich gleich die Gesetzeslage. Fortan wird sie keine Genehmigung mehr von den Bauern benötigen, um auf deren Grundstücken Gift zur Bekämpfung der Heuschrecken zu sprühen. Eigentlich will man das ja nicht machen, aber besser ist es schon, meint der Heuschreckenbeauftragte für Viktoria, Australien. Manche Bauern mögen es nämlich gar nicht, wenn man auf ihren Bauernhöfen Gift sprüht. Wir brauchen einfach diese Entscheidungsgewalt.

Ja, wenn man die Entscheidungsgewalt braucht, dann nimmt man sich diese einfach. Umso besser und schneller kann man dann ja auch den Bürgern helfen.

Das Wetter der letzten sechs Monate hat die Heuschreckenvermehrung unterstützt. Warm und nass, einfach ideale Bedingungen für Heuschrecken. Im März wurden in NSW und Queensland bereits 200.000 Hektar Land mit Gift besprüht.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Thursday, 1 July 2010

Alle frieren und im Ozean tummeln sich die Wale


Die Zeitungen überschlagen sich noch immer mit ihren Berichten. Man kann hingehen wo man will. Beim Bäcker, beim Arzt, im Zeitschriftenladen oder im Supermarkt. Es herrscht ein vorrangiges Thema. Es ist Winter. Es ist kalt. Es ist ungemütlich. Nur eines kann man nun beim allerbesten Willen nicht sagen, dass es grau ist. Dieses Grau wie ich es von zuhause kenne. Wie man es in Deutschland im Winter tagein tagaus zu ertragen hat. Und das wochenlang, sogar mit Regen.

Zwölf Grad können aber auch verdammt ungemütlich sein. Verkneifen muss ich mir ein Schmunzeln in Situationen wie ich sie heute auf dem Postamt erlebt habe. Bald haben wir es geschafft, der September ist nicht mehr weit. Einstimmiges Kopfnicken der in der Schlange Anstehenden. Gerade so, als würde uns der Schnee bis zum Hals stehen.

Ist doch auch was, wenn ich mal wieder meine dickere Jacke anziehen und meine wollenen Pullover, aus ihren Sommerferien welche sie auf meinem Speicher verbracht haben, zurückholen kann. Eingestehen muss man allerdings, dass man die nicht alle tragen kann. Sie sind zu warm, zu dick.

Im Winter ist alles menschenleer. Ich habe den Eindruck, sobald die Temperaturen unter 17 Grad fallen, gehen viele Australier gar nicht mehr raus. 17 Grad, dass sind hier empfundene -10 Grad Celsius. Letztens wurde ich von einem Australier gefragt, was die Leute im Winter in Deutschland machen. Ich habe die Frage zunächst gar nicht verstanden, ich meine den Sinn der Frage nicht verstanden. Man kann da doch gar nicht rausgehen, in Deutschland, im Winter, erklärte dieser dann weiter. Ich habe ihm zugestimmt und ihm erzählt, dass in Deutschland alle Einwohner riesige Keller haben, die sie im Oktober (spätestens) beginnen mit Vorräten für die nächsten acht bis neun Monate zu füllen. Alle arbeiten dann bis Ende April, Juni auch von daheim aus. Hat er mir geglaubt. Er war sehr erstaunt, dass wir in Deutschland sogar im Dezember und Januar, wenn die Temperaturen unter Null sind, zu Fuß einkaufen oder ins Kino gehen. Echt verrückt fand er das.

Gerade jetzt im Winter ist es besonders schön am Strand spazieren zu gehen. All die ‚Massen’, die man sonst so antrifft, bleiben weg. Das Licht ist ganz klar. Dunkler schwarzblauer Himmel, Sonnenschein und dicke Wolken über dem Meer wechseln sich ständig ab. Die Strände sind einsam und die Wale ziehen an Viktorias Stränden entlang.

Die ‚Southern Right Whales’ sind wieder da. Jedes Jahr im Winter steigt für mich die Vorfreude erneut ins unermessliche. An Wochenenden fahre ich an einen für Walsichtungen berühmten Strand und starre stundenlang auf das Meer. Hat was. Ist wirklich fantastisch. In vier Jahren und unzähligen Trips an diesen Strand habe ich bereits schon einmal eine Walflosse kurz aus dem Meer auftauchen sehen. Keine große Ausbeute, doch trotzdem fahr ich immer wieder hin. Kann ja noch passieren, dass man mal mehr von den Walen zu Gesicht bekommt. Zumindest kann ich aufgrund der einen Sichtung bestätigen, dass es hier in Viktoria wirklich Wale gibt. Die Situation ist also nicht ganz so aussichtslos wie sie in Schottland ist, Nessi zu Gesicht zu bekommen. Aber sehr nah dran, leider. Wale sind ja auch wildlebende Tiere und der Ozean ist kein Zoo.

Viele Grauwale habe ich in Kalifornien gesehen und unzählige ‚Southern Right Whales’ in Südafrika. Da kann man ganz bequem am Strand sitzen und die gigantischen Riesen schwimmen ganz nah an einem vorbei. Man kann sie dort wirklich fast streicheln.

Zurück nach Australien. Nach stundenlangem auf den Ozean starren und einem langen Strandspaziergang genießt man den heißen Kakao doppelt. Auch wenn ich in meinem dicken Wollpullover bereits wieder anfange zu schwitzen. Irgendwo war der Wal bestimmt. Es geht doch nichts über den Traum mal wieder einen Wal zu sehen. Alleine der Gedanke, dass die Wale da irgendwo im Ozean sind, der ist doch schon Erlebnis genug.

Und das gute ist, es ist ja bald auch schon wieder September und dann beginnt der Frühling.

Schöne Grüße aus Melbourne!