Tuesday, 31 August 2010

Der ‚Flying Cyclist’ von Australien


In 2006 machte der damals 39-jährige Australier, Richard Vollebregt eine sehr lange Radtour. In acht Tagen, zehn Stunden und 57 Minuten fuhr er von Perth nach Sydney. 4.000 km. Die Fahrt durch die Nullarbor, vorbei an Port Augusta, nach New South Wales, durch Hay und Wagga Wagga und bis zum Martin Place in Sydney, brachte ihm einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde ein. Ein ruhiger Oberkörper, parallele Beinführung und lockerer Tritt allein werden ihm dabei wohl nicht geholfen haben. Einen eisernen Willen, den braucht man wohl schon, um so eine außerordentliche Leistung meistern zu können. Wahrscheinlich auch die Lust, etwas völlig "unglaubliches" zu unternehmen. Abenteuerlust pur!

Vielen Leuten erscheinen Teile dieser Strecke, mit dem Wagen zurückgelegt, bereits als unglaublich langweilig. "Da ist doch nichts". Diese Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen, ist wohl also nichts für Warmduscher.

Chris Marris ist ein begeisterter Radfahrer aus Westaustralien. In der Vergangenheit hat er bereits an mehreren 24 Stunden Fahrradrennen teilgenommen (einmal meisterte 623,2 km in 24 Stunden). Mit einem BMX Rad ist er mal von Adelaide nach Perth gefahren, 2.700 km musste er dabei zurücklegen.


...mit dem BMX Rad?

Seit November 2009 fährt er wöchentlich so um die 600 km Fahrrad. In den letzten 36 Wochen, ist er 21.600 km Fahrrad gefahren. Ungefähr! Einmal um die kleine Insel Oz herum, dass dürften 20.000 km sein. Und von Deutschland nach Australien das sind 16.000 km!

Für Fortgeschrittene. Inselrundfahrt!

Hört sich an, als sei er ein exzellenter Kandidat, den bisherigen Weltrekord zu brechen. Und das macht er jetzt nämlich auch. "The flying Cyclist" will den zuletzt aufgestellten (und registrierten) Weltrekord nun schlagen. Er machte sich auf den Weg, um als schnellster männlicher Radfahrer, in unter acht Tagen, die gleiche Strecke von Perth nach Sydney zu radeln. Um sein Ziel zu erreichen, wird er täglich mehr als 20 Stunden im Sattel sitzen. 550 km, ungefähr die Strecke Köln - München.

Jeden Tag mit dem Fahrrad von Köln nach München und das acht Tage lang! Die sportliche Leistung ist gleichzusetzen mit 14 Mal durch den Ärmelkanal zu schwimmen, 45 aufeinander folgende Marathons zu laufen oder eine Million Push-Ups zu machen. Am Tag benötigt der Fahrer 10.000 bis 12.000 Kalorien. Soviel verbraucht Otto-Normalverbraucher in sieben Wochen.

Chris möchte nicht nur einen neuen Weltrekord setzen. Er sucht seine ganz persönliche Herausforderung, er möchte mit dieser Tour Geld für den Royal Doctor Service sammeln und er möchte anderen zeigen wie wichtig es ist, sich fit zu halten.

Da lob ich mir mein Yoga!

Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 30 August 2010

Wer ist die Präsidentin des Deutschen Kulturvereins?


HaPpY BiRtHdAy MeLbOuRnE. Als Melburnian habe ich es mir nicht nehmen lassen, heute zusammen mit vielen anderen meiner Mitbürger bei strahlendem Sonnenschein den 175. Geburtstag von Melbourne zu feiern. Von zwölf bis zwei Uhr waren alle zur großen Feier auf dem City Square in der der Innenstadt eingeladen.

... echt coole Geburtstagstorte

Am City Square wurde eine Bühne aufgebaut. Auf dieser Bühne stand auch die echt coole Geburtstagstorte. Wie mir eine PR-Mitarbeiterin erzählte, wurde diese Torte von Schülern des William Angliss Institute, einer Ausbildungsstätte der Gaststätten- und Tourismusindustrie, zubereitet. Bevor die Feierlichkeiten starteten, nahm ich die Gelegenheit wahr, die Torte zu fotografieren. Hier ist ja alles immer so entspannt, deshalb hat das auch niemanden gestört. Sogar einen Platz neben den Fotografen in der ersten Reihe konnten meine Freundin und ich ergattern. Der Aufpasser war so freundlich, uns zu glauben, dass wir die Präsidentinnen der Kulturvereine Schwedens und Deutschlands sind. Auf die Idee brachte uns ein Typ, der dem Aufpasser die Präsidentin irgendeines Clubs vorstellte, damit diese vor uns stehen kann. Gewusst wie! Ein bisschen Spaß muss sein. Das fand der Aufpasser übrigens auch, wir durften ganz vorne stehen bleiben.


Ureinwohner haben einen traditionellen Tanz aufgeführt. Kate Ceberano, eine berühmte australische Sängerin, hat Happy Birthday gesungen. One Africa, eine Band aus dem Senegal, hat gute Stimmung verbreitet. Bauchtanz gab es auch noch. Der Ministerpräsident von Victoria und der Bürgermeister von Melbourne haben eine Ansprache gehalten und eine riesige leckere Torte angeschnitten, von der jeder Gast ein Stück essen durfte.

Das Highlight der Feier war ganz klar ein Kinderchor bestehend aus Schulkindern unterschiedlicher Schulen. Die Kinder haben den, extra für den 175. Geburtstag kreierten, Melbourne Song vorgetragen. Sie saßen alle ganz lieb da und haben nicht einen Mucks von sich gegeben. Bis sie schließlich dran kamen mit ihrem Auftritt, da haben sie voll aufgedreht.

Als Erinnerung hat jeder Geburtstagsgast, wie sollte es auch anders sein in Melbourne, eine Kaffeetasse geschenkt bekommen.


Das Melbourne Lied!

Under blue skies
Southern Blue Skies
Melburnians always meet together

Under grey skies,
Southern Grey skies,
Melburnians meet in any weather
4 season one day
4 season one day

More reasons to play this day!

Lift up your eyes
Show vision enterprise
If we share dreams ahead
our limit is the sky

Lift up your eyes
Show vision enterprise
If we share dreams ahead
our limit is the sky

Melbourne is the place where people live with pride

The Wurundjeri
And the Boonerwrung
People of the Kulin Nation
We've had settlers here,
Welcomed migrants here,
People from all destinations
More people who care!
More people who come to share this day!

Schöne Grüße aus der Geburtstagsstadt Melbourne

Sunday, 29 August 2010

Sonniger Sonntag in Australien

Die Sonne scheint und der Frühling liegt bereits leicht in der Luft. Strandspaziergang, Capuccino trinken, aufs Meer blicken und den Möwen zuhören. Das Leben hier in Australien könnte so verdammt schön sein. Ist es aber nicht. Weder für die Australier, denn die fühlen sich ständig von den Asylanten und Zuwanderern bedroht, noch für mich, die sich täglich diesen fremdenfeindlichen Mist anhören muss. Das verdirbt mir regelmäßig total die Laune.

Hier ein paar Kommentare aus der Tageszeitung zum Thema Asylsuchende Zuwanderer.

„Australien wird bald zur Hölle werden, wenn noch mehr kommen“

„Das kommt einer Invasion gleich. Schickt die Boote umgehend an ihren Anlegeplatz zurück“

„Warum lässt man die Asylsuchenden nicht einfach auf offener See samt ihrer kaputten Boote ertrinken?“

„Ich persönlich glaube, wir sollten eine Flotte von Booten haben, die Asylsuchende auf offener See abfängt und sie von dort zurück sendet. Das ist doch viel kostengünstiger als sie in Auffanglagern zu inhaftieren“

Ich verstehe nicht, warum man die nicht einfach abballert? Keine Boote, keine Asylanten“

„Eine neue Bootladung, die unsere Strassen und Krankenhäuser verstopfen. Stoppt diese Scheiße, schifft sie zurück“

Die Tageszeitungen berichten heute, dass Insassen eines Gefangenenlagers für Flüchtlinge einen Aufstand gestartet haben, weil man sie nicht anhören will. Niemand fragt sich, warum diesen Leuten kein Gehör geschenkt wird, sondern alle regen sich über die Zerstörung australischen Eigentums auf. Die Tenor vieler Leser wird von einem ‚Beitrag’ auf den Punkt gebracht: „Undankbare Parasiten“.

Das sind Meinungen von den Leuten, die morgens neben mir an der Straßenbahnhaltestelle stehen oder die abends neben mir im Kino sitzen. Meinungen von den Leuten, die mit ihren Hunden im Park spazieren gehen, und die ein gutes Buch lesen, während die Kleinen glücklich im Sandkasten spielen. Meinungen von den Opas und Omas die liebevoll Geschenke für ihre Enkelkinder kaufen.

Ob Carl aus Melbourne, Rod aus Kewarra Beach, Rose Taylor aus Ivanhoe, Debbie aus Oakleigh, Evan aus Collingwood, Glenda aus Southbank und die vielen anderen wohl wissen, dass bis Ende Juni 2010 lediglich 4.116 Asylsuchende nach Australien gekommen sind. Ich glaub es nicht.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Saturday, 28 August 2010

Zwischenstopp in Darwin

Was gibt es schöneres, als jemandem in der Kneipe mit einem zerschlagenen Bierglas das Gesicht zu zerstören. Da fällt mir eine ganze Menge ein. Manche Leute finden das aber geradezu die beste Beschäftigung, wenn sie ausgehen. Glassing attack. „Was hast Du denn am Wochenende so gemacht?“ „Samstagnachmittag hab ich „Bob the Builder“ auf DVD angeschaut und abends hab ich einem das Auge ausgestochen. Das war so cool, der war voller Blut. Das hättest Du sehen sollen“.

Wenn man abends aus dem Club rausgeht, kann das schon sein, dass man ganz anders aussieht als vorher. Nichts ist mehr so wie es mal war, im Paradies. Das Amt für Tourismus in Darwin verkündete, dass dort Gewaltverbrechen außer Kontrolle geraten sind. Pfeilchen, gebrochene Nasen, geschwollene Gesichter gehören zu einem vergnüglichen Abend genau so dazu, wie Musik zu hören oder ausgelassen zu tanzen. Darwin ist mit seinen ungefähr 125.000 Einwohnern mehr als sehr überschaubar.

Es gibt Vorschläge, Gastronomiebetriebe in Zonen einzuteilen. Für alle Schäden, die in ihrer Zone passieren, müssen die Betreiber dann aufkommen. „Sie haben ein blaues Auge. Dann holen sie sich doch bitte 49 $AU an der Theke ab. Ja, genau, da vorne rechts“. Oder noch besser, wenn man keine Lust hat sich mehrmals auf den Weg zum Tresen zu machen. „Ein Bier und dann nehme ich für später noch die Entschädigung für einen gebrochenen Finger, bitte“.

Die Regierung verlangt von den Wirten, dass sie übermäßigen Alkoholkonsum, die Anzahl der Gäste and die Geschlechter-Unausgewogenheit regulieren. Die haben ja eine Verantwortung. „Wer nichts wird, wird Wirt!“, dass war wohl gestern.

Wenn das Kind schlecht in der Schule ist, sind ja meistens die Lehrer Schuld, die sollen doch dafür sorgen, dass was aus dem Kind wird. Wenn eine Oma auf dem Bürgersteig stürzt, ist das Gemeindeamt Schuld, dass soll doch dafür sorgen, dass der Gehweg ordentlich gesichert ist. Wenn ein Besoffener einen anderen Zusammenschlägt, dann soll der Wirt Frieden schaffen, der ist doch dafür verantwortlich, dass… ja, für was eigentlich?

Was ist eigentlich aus dem Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ geworden? Macht in unserer Zeit keinen Sinn mehr. Es sollte ganz einfach ersetzt werden durch „Schuld sind sowieso immer nur die anderen“. Es wird ja immer gerne nach der Regierung geschrieen. Die Regierung soll das machen und dies verbieten, Verordnungen rausgeben! Alle schlagen sich also weiterhin die Köpfe ein. Irgendwann stellt dann die Regierung vor dem Pub ein Schild auf. „Nach 19.30 Uhr Gesicht aufschlitzen verboten“. Dann wird bestimmt alles besser.

Jeder hat so seine ganz eigene Vorstellung. Energie Drinks sind Schuld an den Gewaltausbrüchen. Ich hab noch nie so viele Energie Drinks getrunken, dass ich den Wunsch hatte, jemanden zu verprügeln. Wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin, habe ich noch nie in meinem Leben einen Energiedrink getrunken, also kann ich da gar nichts zu sagen.

Andere fordern die Altersbegrenzung für Kneipen auf 25 Jahre anzuheben. Dann wartet man also sieben Jahre länger, um in eine Disco zu kommen. Gute Idee? Man muss sich einfach mal vorstellen, was sich dann erstmal für eine Wut in einem angestaut hat, in all den Jahren des Wartens.

Die Betrunkenen wurden jetzt von aufgebrachten Anwohnern gebeten, doch auch bitte an die Paramedics zu denken, bevor sie jemanden so übel zurichten. Die leiden da nämlich ganz schlimm drunter, wenn sie all die demolierten Gestalten verarzten müssen. Paramedics haben auch Gefühle und sollten sofort ihr Gehalt verdoppelt bekommen. Politiker bekommen doch auch so viel und machen gar nichts, hängen nur faul auf dem Sessel rum. Gutes Argument, nicht mehr so gewalttätig zu sein?

Viele sind fest überzeugt, würden Bars früher schließen, gehören Gewaltübergriffe bald der Vergangenheit an. Dann gehen eben alle eher hin, um sich zu betrinken und…

Das ist ja nicht mehr auszuhalten, diese ganze Gewalt. Deshalb wurde jetzt eine Gruppe mit dem Namen „Just Think“ (bevor man trinkt) gegründet. Ich lebe ja jetzt schon etwas länger hier und so ganz spontan habe ich irgendwie das Gefühl, dass das nicht ganz einfach werden wird. Aber vielleicht klappt es ja doch.

Irgendwo müssen doch die hohe Gewaltbereitschaft und diese Wut herkommen. Unsicherheiten zu überspielen, in dem man sich selber als Held darstellt, ist doch eher ein Witz. Den Mangel, mit Konflikten zivilisiert umzugehen, und das Unvermögen sich verbal ausdrücken zu können, mit Gewalt auszugleichen, ist ein noch größerer Witz. Und einen Abend erst als gelungen zu bezeichnen, wenn man betrunken ist und eine Prügelei hatte, dass ist absurd. Das gehört hier in Oz anscheinend für viele dazu.

Vereine gründen, die Regierung einschalten und noch mehr Gesetze und Verordnungen verabschieden. Was auch immer, alles schön und gut. Es fängt aber doch meistens im Kopf an.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Friday, 27 August 2010

Thursday, 26 August 2010

"Crocodile Dundee 4. Krokodiltränen in Geiselhaft"

Crocodile Dundee wird im vierten Teil von Australischen Behörden während eines Heimatbesuchs in Geiselhaft genommen. Ist ja super, dass es wieder hier spielt. Hier ist Mick Dundee ja auch viel mehr in seinem Element.

Haben wir damals nicht alle davon geträumt, mit Crocodile Dundee am Billabong baden zu gehen? Ich konnte mir diesen Traum ja, so gut wie, verwirklichen. Hier bin ich also, in Australien. Bald musste ich feststellen, von Crocodile Dundee weit und breit keine Spur. Denn der lebt jetzt in Amiland, da gibt es keine Billabongs. Es gibt Nachahmer, der eine oder andere rennt mit Dundee Hut rum, aber keiner, nicht einer, ist wie Mick.

Moment. Das geht jetzt aber alles schnell. Wie war das noch mal? Schon alles so lange her. Nachdem er seiner Freundin in einer völlig überfüllten U-Bahn Station in New York seine Liebe gestanden und sie diese heiß und innig erwidert hat, ist er gleich dort geblieben. Teil 1?. Die beiden sind jetzt verheiratet und haben einen Sohn, Dundee Junior. Um der Liebe Willen ausgewandert ist Crocodile Dundee nach Los Angeles. Teil 3?

Ja gut, ausgewandert nach Los Angeles. Das ist doch nun echt kein Grund jemanden in Geiselhaft zu nehmen. Wie kriegen die denn da jetzt die Kurve in Teil 4? Manch einer fand ja Teil 3 bereits langweilig oder hat ihn gar nicht erst angeschaut. Nun haben die Macher sich aber etwas ganz geniales einfallen lassen. Die Zeit vergeht. Crocodile Dundee ist mittlerweile schon siebzig Jahre alt und seine Mutter verstirbt im Alter von 101 Jahren. Also macht Mick sich auf den langen Weg von Los Angeles nach Sydney zur Beerdigung. Frau Dundee und Dundee Junior bleiben in Kalifornien. Es soll ja nur für einen kurzen Besuch sein. Doch Mick Dundee macht die Rechnung ohne die australischen Behörden.

Hier in Sydney angekommen warten, neben seiner trauernden Familie, auch das Finanzamt auf ihn. Felsenfest behaupten sie seit vielen Jahren, es stehen noch mehrere Millionen Steuernachzahlung aus. Die sprechen dabei von plus/minus 37 Millionen $AU zu versteuerndem Einkommen und das Geld wollen sie unbedingt haben. Wo käme man denn da hin? Wenn hier jeder machen würde, was er will! Also haben die sich was Supertolles einfallen lassen. Crocodile Dundee darf Australien solange nicht verlassen, bis er seine Steuern gezahlt hat. Ok, dass sieht echt schlau aus, die haben Tricks drauf. Doch das war gar nicht deren Idee.

Und deshalb sollte keiner Mitleid mit Crocodile Dundee haben. Er selber hat die Jungs vom Finanzamt nämlich auf die Idee mit der Geiselnahme gebracht. War das in Teil 3? Kann mich aber nicht daran erinnern. Die scheinen ein gutes Gedächtnis zu haben, denn dass liegt schon Jahre zurück. Mick ist der Meinung, er hat mehr als genug Steuern bezahlt. Der Film ist gewürzt mit allerhand Crocodile Dundee Sprüchen wie "Come and get me, you miserable bastards." Jetzt haben sie ihn. Das hat er davon. Wie wird er da wieder rauskommen aus der Situation? Die Auflösung kann man sich dann im Kino mit "Crocodile Dundee 4. Krokodiltränen in Geiselhaft" geben.

Freue mich schon riesig auf den Film. Nur leider wird es den nicht geben. Heute konnte ich es in allen australischen Zeitungen lesen, dass der in Amerika lebende Schauspieler Australien nicht mehr verlassen darf, bis er seine Steuern nachgezahlt hat. Diese sind lediglich der Bitte des Schauspielers gefolgt "Come and get me, you miserable bastards". Geiselhaft in Oz. Das macht ihn zur Legende.

Hier in dem Spot geht er noch mal durch, wie er hier abhauen könnte. Mit dem Schiff? Mit dem Flugzeug? Er will doch nur eines. Zurück nach Amerika, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Schon wieder macht er das öffentlich. Wenn die Behörden das jetzt wieder spitz kriegen, dann sehe ich schwarz für Mick Dundee!



Schöne Grüße aus Melbourne!

Wednesday, 25 August 2010

Sydney nimmt am Modehimmel Platz sieben ein


Von allen Modestädten der Welt nimmt Sydney Platz sieben ein. Ja, in Melbourne kann man super Kaffee trinken, keine Aufregung, es braucht ja jetzt niemand zu verzweifeln! Die Siegerin New York, löste in diesem Jahr Mailand ab. Weiterhin gehören zu den Top Five die Städte Hong Kong, London, Paris und Los Angeles.

Die Sydneysider freuen sich natürlich ein Loch in den Bauch über dieses Lob. Ihnen geht es runter wie Öl, besser als Melbourne beurteilt zu werden. Ich als Immi verstehe das ewige Theater um die beiden Städte absolut nicht, denn ich finde beide Städte gleich cool. Sydney ist natürlich aufregender anzusehen als Melbourne. Da gibt es die Oper, die Brücke und den Hafen, um nur kurz die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu nennen. So was kann Melbourne nicht vorweisen.

Am Montag startete in Sydney die Fashion Week 2010. Ungefähr 100 Designer stellen in Catwalk Shows ihre Mode in der Sydney Townhall vor. Die Town Hall ist auf der George Street in der Innenstadt (CBD). Auch gut zum Einkaufen geeignet. Überraschung! Besucher können sich selber auch stylen lassen (sehr gute Idee für den einen oder anderen). Hat man genug Mode bewundert, kann man leckere kleine Cupcakes essen und in einer Lounge entspannen, dabei die neuesten Infos aus der Modewelt lesen. Himmel! Gesponsert wird alles von einer Weinmarke. Tickets gibt es um AUD 35 (Eintritt, "Fashion Show Bag" und Sitzplatz plus Gläschen Sekt).

In Melbourne gibt es auch eine "Frühlings Fashion Show", die jedes Jahr Ende August anfängt. Und die "Melbourne Fashion Show", die zum Ende des Sommers läuft, ist definitiv einen Besuch wert.

Melbourne belegt Platz elf der Modestädte. Ich frage mich, wer so Ranglisten aufstellt. Anhand welcher Kriterien werden diese Listen aufgestellt? NY, Mailand, Hong Kong, London, Paris, Los Angeles,... Melbourne? Nichts für ungut. Doch so sehr ich Melbourne und den Kaffee hier auch liebe, Platz elf scheint mir etwas weit hergeholt. Sehr weit sogar.

Hier die Plätze 1-20. New York, Hong Kong, London, Paris, Los Angeles, Milan, Sydney, Miami, Barcelona, Madrid, Melbourne (belegte im Jahr davor Platz 25), Shanghai, Sao Paulo, Tokyo, Singapore, Las Vegas, Amsterdam, Berlin, Rio de Janeiro, Moskau (Ranking Quelle, Language Monitor).

Schöne Güsse aus Melbourne!

Tuesday, 24 August 2010

Wasser marsch


Alles voller Zitronen, wo das Auge hinsieht. Meine ganze Küche ist voller Zitronen. Obwohl ich meinem Zitronenbaum seit Mai 2009 nicht einen Tropfen Wasser gegönnt habe, trägt er ständig dicke gelbe Zitronen. Der Baum hält sich seit elf Monaten lediglich mit den vom Himmel fallenden Regentropfen über Wasser. Er wächst als gebe es kein morgen mehr. Mir kommt es vor, als wachsen die Zitronen sofort nach, sobald ich den Baum abgeerntet habe. Und der Baum duftet. Traum. Er ist ein echt glücklicher Baum und sehr zufrieden mit sich selbst. Er wächst wie Unkraut, stutzen muss ich ihn relativ oft. Die lange Trockenheit hat er, ohne auch nur einmal zu murren, überstanden. Das gleiche gilt für meinen Apfelbaum, die beiden produzierten ihre Früchte um die Wette. Seit Wochen regnet es ab und an sogar mal wieder. Und jetzt ist mein immergrüner Zitronenbaum doppelt glücklich. Wie der Apfelbaum sich fühlt, vermag ich zurzeit nicht zu sagen. Er ist gerade ganz nackt, denn es ist ja Winter.



Nicht nur mein Zitronenbaum freut sich. Von nun an blicken wir alle einfacheren Zeiten entgegen. Seit vier Jahren und bis gestern galt aufgrund der Trockenheit in Melbourne für alle Einwohner Stufe 3a und ab April 2010 Stufe 3 der Wasserrestriktion.

Stufe 3a in Melbourne ging so. Häuser mit einer geraden Hausnummer durften dienstags und samstags ihren Garten und Pflanzen bewässern. Häuser mit ungerader Hausnummer durften dies mittwochs und sonntags. Jedoch nur mit Eimern und das in der Zeit von 6 bis 8 Uhr morgens. Automatische Bewässerungssysteme durften von Mitternacht bis 2 Uhr morgens in Einsatz gebracht werden. War jemand im Haushalt über 70 Jahre alt, durfte auch von 8 bis 10 Uhr morgens gegossen werden. Rasen durfte nicht gewässert werden. Autos durfte man nur an öffentlichen Waschanlagen waschen und Autoscheiben durfte man mit einem Wassereimer und Schwämmchen reinigen. Wir wurden zudem angehalten nicht mehr als 155 Liter Wasser am Tag zu verbrauchen (Target 155). In Deutschland verbrauchen Bürger im Schnitt etwa 127 Liter Wasser am Tag.

Stufe 3 in Melbourne geht so: Alles wie in Stufe 3a. Änderung. Alle Häuser mit einer geraden Hausnummer dürfen am geraden Datum ihren Garten und Pflanzen bewässern. Alle mit einer ungeraden Hausnummer dürfen das an einem ungeraden Datum.

Aufgrund des Regens und der geplanten Meerwasserentsalzungsanlage erlaubt die Regierung uns nun, ab dem 1. September entspannter mit dem Wasser umzugehen. Häuser mit gerader Hausnummer dürfen dann am geraden Datum ihren Garten und Pflanzen bewässern. Häuser mit einer ungeraden Hausnummer dürfen das an einem ungeraden Datum. Unterschied zu Stufe 3. Wir dürfen unsere Gärten (an den vorgeschriebenen Tagen) zu jeder Tageszeit mit einem Wassereimer wässern und unser Auto dürfen wir mit einem Wassereimer oder einem Hochdruckgerät jeden Tag vor der eigenen Haustür waschen. Rasen darf nach wie vor nicht gewässert werden und ist somit weiterhin dazu verdonnert "ockerfarben" dem Garten einen ganz anderen Anstrich zu verleihen.

Ich würde mir ja vorkommen wie ein Stasi Spitzel, wenn ich mich beim Ordnungsamt über Nachbarn beschweren würde, die einfach so jeden Tag und dass auch noch tagsüber in der prallen Sonne ihre Parkähnlichen Gärten gießen oder ihren Wagen waschen. Ein Nachbar, der seinen Wagen um die Mittagszeit im Innenhof wusch, meinte mal zu mir, "Das können sie auch ruhig machen. Merkt doch keiner! Wie denn auch?". Milchmädchen-Weisheiten, wie "Die haben uns schon immer erzählt Australien ist zu trocken und immer haben wir es geschafft, dass mit der Wasserknappheit ist doch absoluter Quatsch", lasse ich einfach an mir vorüberziehen, ohne diese zu kommentieren.

Das meine Obstbäume hier in Australien ohne jegliche Zugabe von Wasser gedeihen, kann ja zum Test anleiten. Vielleicht braucht man in Deutschland seine Blumen gar nicht zu wässern, denn es regnet doch fast jeden Tag.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 23 August 2010

Wahlzirkus Australien. 2010

Deutschland 2005. Die Wahl in 2005 führte zu der großen Koalition, Schwarz-Rot. In Deutschland gelang es von 2005 – 2009 nicht, eine Rot-Grüne oder Gelb-Schwarze Mehrheit herzustellen.

England 2010. Keiner Partei gelang es alleine eine Mehrheit zu erlangen. Die Wahlen in England gingen so gut wie unentschieden aus. Seitdem regieren die Torries und die Liberal Democrats in einem Koalitionsbündnis. Die Partei mit mehr Sitzen im Parlament stellt den Premierminister.

Australien 2010 hat nun auch Probleme mit einem unentschiedenen Wahlergebnis. Julia Gillard ist erst seit Juni die selbsternannte Premierministerin von Australien. Einberufen wurden vorgezogene Wahlen, um sich diesen Schritt vom Volk bestätigen zu lassen. Die Bürger haben sich nun jedoch keineswegs mehrheitlich für die Labor Partei entschieden. Waren sie wütend, dass der vorherige von ihnen gewählte Premierminister einfach gestürzt wurde? Ist Australien noch nicht reif von einer Frau regiert zu werden? Wären die Wahlen anders ausgegangen, hätte Julia Gillard den vorherigen Premierminister Kevin Rudd nicht seines Amtes enthoben? Doch den konnte ja auch niemand mehr richtig leiden. Letztendlich wählt man aber doch das Konzept einer Partei und nicht eine Person!

Der kurze Wahlkampf konnte da auch nicht mehr viel ausrichten. Julia Gillard hat versucht, die Opposition schlecht zu machen. Die Opposition hat versucht, die Labor Partei ins schlechte Licht zu rücken. Warum hat die Labor Partei nicht einfach kurz ihr Konzept, ihre Ideen und ihre Richtung in der Wahlwerbung präsentiert? Sicherlich wäre sie damit viel weiter gekommen.

Der Oppositionsführer gibt ja angeblich solche Dinge wie "climate change is crap", zu Deutsch „Der Klimawechsel ist Schwachsinn“ von sich (Crap = vulgär für Scheiße). Bei einer anderen Gelegenheit hat er Schuldkindern erzählt, dass die Welt viel wärmer war, als Jesus noch in Nazareth ‚rum gesprungen’ ist. „The world was warmer than it is now back when Jesus was kicking around in Nazareth”. Seine Lieblingsbeschäftigung ist es ja auch, den Einwohnern von Australien Angst vor Immigranten und Asylanten zu machen. Das hat er so überzeugend gemacht, dass auch die Labor Partei sich davon anstecken ließ und in ihren Wahlkampf einbaute. Am Ende wusste wohl niemand mehr ganz genau, wo die Reise eigentlich hingehen sollte und für die Australier gab es gar keinen Unterschied mehr zwischen der Labor und der Liberal Partei. So wachten alle Einwohner Australiens gestern, dem Morgen nach der Wahl, auf und passiert war dementsprechend nicht viel. Die Wahl ist quasi unentschieden ausgegangen.

Heute wurde zaghaft angesprochen, dass wohl erneut Wahlen stattfinden werden, denn angeblich ist es den Parteien unmöglich, sich zu einigen. Wo liegt da eigentlich der Sinn einer Wahl? Sollten die Wähler ihre politische Einstellung bis in ein paar Wochen geändert haben? Werden die Parteien schnell ihre jeweiligen Wahlprogramme ändern, um bessere Chancen zu haben? Oder werden sie wieder wochenlang ihre billig inszenierten Kampagnen verbreiten und wieder von allem ein bisschen sein, um nicht zu verlieren? „Ach die Politiker“, kommentieren da wieder alle wissend. Das ist ja am einfachsten, doch so ganz stimmt das nicht. In einer Demokratie bestimmen doch die Wähler, wer regiert. Oder etwa nicht?

Dieser ganze Schlamassel ist kein australisches Problem, wie es uns die Wahlergebnisse in anderen Ländern bereits gezeigt haben. Anscheinend ist es in der Welt wichtiger geworden, sich unauffällig zu verhalten, als eine eigene Meinung zu besitzen. Ich frage mich oft, warum steht eigentlich niemand mehr für sein Wort ein? Ist es so politisch unkorrekt geworden, eine eigene Meinung zu haben, weil man ja damit anecken könnte und nicht mehr die ewig lächelnde Person sein? Jeder spricht jedem nach dem Mund, wie ein Fähnlein im Wind, nur um gut da zu stehen. Die Menschen schwimmen lieber mit, heute so und morgen so. Hauptsache nicht auffallen und wie ein kleiner Soldat dem Heer folgen. Leute mit eigener Meinung sind so unbequem und auch nervig.

Deshalb will ich auch gar nicht alles ausschließlich auf die Politiker schieben. Die wurden doch vom mündigen Volk gewählt (überall dort wo wir eine Demokratie haben, versteht sich).

Zurück nach Oz. Die Labor Partei, immer für eine Überraschung gut, gibt dann prompt heute auch noch eine unglaubliche Information raus. Ein neuer Mann am Labor Himmel. Er soll die Labor Partei anführen. Die wechseln die Parteiführer wie andere ihre Socken. Bill Shorten, der auch den Sturz Kevin Rudds als Parteiführer abstimmte. Denkt die Labor Partei mit einem neuen Parteiführer wird alles besser? Wie auch immer. Für die Labor Partei scheint Loyalität eine unbekannte Größe zu sein. Gut, Gillard hat sich auch nicht besser verhalten. Wie du mir, so ich dir? Tit for tat? Hätte Julia Gillard nicht von vorneherein die Zeichen der Zeit erkennen müssen? „Dir tut niemand was zulieb: Hand wird nur von Hand gewaschen; Wenn du nehmen willst, so gib!” (Johann Wolfgang von Goethe). Jetzt soll auch sie ausgewechselt werden. Auch wieder über Nacht?

Alles bleibt weiterhin spannend im Wahlzirkus in Australien. Als Immigrantin stehe ich einfach dabei und wundere mich. Wählen darf ich nicht, dazu fehlt mir die Staatsbürgerschaft von Australien. Ich wohne seit fünf Jahren und acht Monaten nicht mehr in Deutschland. Wählen darf ich dort aber noch. Schwierige Situation. Ab wann sollte ein Immigrant in seiner neuen Heimat wählen dürfen? Schwierig. Ab wann sollte ein Auswanderer nicht mehr in seinem Heimatland wählen dürfen? Schwierig.

Wo wird uns der Zirkus hier noch hinführen? Zunächst stehen erst mal Koalitionsverhandlungen an. Dabei treten die beiden großen Parteien Labor und Liberal in Verhandlungen mit den etwaigen Partnern. Die Grünen haben einen Sitz, und drei Parteiunabhängige haben insgesamt drei Sitze zu vergeben. Die Grünen werden wohl ein Bündnis mit der Labor Partei eingehen, was ist mit den anderen?

Abwarten und Tee trinken.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Sunday, 22 August 2010

Alles Bio oder was?


Alles Bio. Ob diese von mir gewählte Lebenseinstellung tatsächlich Sinn macht, dass weiß ich nicht. Da gibt es kein schwarz „Bio ist falsch“ und kein weiß „Bio ist richtig“. Heute wird hier fröhlich berichtet, dass sich immer mehr Australier „Bio“ ernähren. Ja, behauptet wird, es wird immer normaler für sie. Guten Morgen Oz. Willkommen im neuen Jahrtausend! Unterdessen diskutiert man in Deutschland aber schon lange darüber, ob Bio überhaupt gesünder ist als konventionell angepflanztes Gemüse und Obst.

Wie soll das gehen, wenn jetzt alle Menschen Bioprodukte kaufen möchten? Massenproduktion und Bio, kann das funktionieren? Und wie Bio ist es, wenn ich hier in Australien ein mit dem Bio Siegel gekennzeichnetes Produkt aus Deutschland oder den USA kaufe? Es enthält sicherlich weniger Chemikalien, doch was ist mit den ganzen Kilometern, die das Produkt zurücklegen muss, bis es hier ankommt? Möglicherweise kann man die Bio Bewegung in drei Gruppen einteilen. Erstens die Gruppe Leute, die sich gesund ernähren möchte, zweitens die Gruppe der Leute, die Bio Produkte kaufen, um die Umwelt zu schützen und die dritte Gruppe Bio-Verbraucher die gleichzeitig Umweltschützer und ‚Gesund-Ernähren-Woller’ sind.

Vor einigen Tagen war ich hier in Melbourne in einem tollen Restaurant. Keines der verwendeten Bio-Produkte hat mehr als 200 Produktkilometer zurückgelegt, um auf meinen Teller zu gelangen, und gekauft werden die Produkte direkt bei den Bauern, ohne Zwischenhändler. Nicht nur das - alles war auch traumhaft lecker. Leider waren die Kellnerinnen alle ein wenig arrogant. Wären die jetzt auch noch locker gewesen, so wie Kellner hier in Australien normalerweise sind, dass wäre ja alles zu schön um wahr zu sein. Das sagt aber auch wieder viel. Gesunde Ernährung sollte völlig normal sein und nicht als etwas so besonderes gelten, dass die KellnerInnen sich deshalb wie Verkäuferinnen in einer Prada Boutique verhalten.

Bio, dass ist hier noch immer was relativ außergewöhnliches. Einkaufen gehen, dass bezeichne ich gerne als jagen. Ich frage mich jede Woche aufs Neue, ob ich eigentlich anders als andere bin. Und das nicht, weil ich normalerweise bei runtergelassenen Rollladen daheim sitze. Nein, einfach weil ich mich gerne gesund ernähren und mich über meine Produkte informiere möchte, bevor ich sie kaufe. Bio war hier in den letzten Jahren alles andere als etabliert und der Wocheneinkauf somit ein komplizierter Vorgang mit ewig langem herum fahren von Stadtteil zu Stadtteil. Ist nicht wirklich Bio, im Auto von Laden zu Laden zu fahren. Doch nichts ist perfekt.

Die meisten Leute argumentieren, Bioprodukte seien zu teuer, die können sie sich nicht leisten. Ja, dem stimme ich zu. Bio Tomaten/Kilo AU$ 11.90. Bio Rucola, Rauke Salat/Kilo AU$ 29.90. Multikornbrot/kg AU$ 8,50. 1 Bund Petersilie AU$ 3.90. Bio Kiwi/Stück AU$ 0,70. Bio Birnen/Kilo AU$ 9,90. Bio Limette/Stück AU$ 1,50. Herkunftsland aller Produkte Australien. Ich kaufe nur das, was wirklich von mir gebraucht wird. Das finde ich gleich dreifach gut. Man wirft nichts weg, man spart und man ernährt sich bewusster. Keine persönliche Erfindung von mir. So müssen doch unsere Omas wohl gelebt haben. Unser Kühlschrank sieht meistens eher leer aus. Richtig traurig. Doch, nur damit der Inhalt des Kühlschranks sexy aussieht, werde ich nichts Überflüssiges kaufen, um es später wegzuwerfen.

Es macht mir Spaß Produkte zu kaufen, die lokal und ohne Beigabe von Chemie angebaut werden. Fühlt sich richtig für mich an. So ganz trau ich aber auch den vielen Bauernmärkten nicht.



Letztens gab es einen kleinen Skandal, als sich herausstellte, dass ein Bauer alle Produkte auf dem großen Markt Queen Victoria Markt in der Innenstadt von Melbourne gekauft hat, diese dann aber auf dem Bauernmarkt als seine eigenen angeboten hat. Die sind alle voll nett die Bauern, die mir dort ihre Äpfel und Birnen verkaufen möchten. Doch wer sagt mir denn, dass die keine Chemie auf ihre Produkte schütten. Sie möchten auch Geld verdienen. Wohl die wenigsten Menschen werden Bauern, weil sie die harte körperliche Arbeit auf dem Feld lieben. Folglich kaufe ich alle Produkte im Bioladen und bezahle unendlich viel Geld. Doch eigentlich ja auch wieder nicht, da ich ja so lebe wie zu Omas Zeiten.

Egal, welches Ziel jeder einzelne verfolgt. Planet retten, gesund bleiben, glücklich leben. Wer bestimmt eigentlich was perfekt ist? Hauptsache ist doch, jeder Mensch ist zufrieden, mit der Entscheidung die er für sich selber getroffen hat. Fröhliches gesundes Leben weiterhin.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Friday, 20 August 2010

Die Vögel


Gestern saß bei mir auf dem Gartenzaun ein „Australischer Magpie“ ein Flötenvogel. Lurlurlurlurlurluruuruluru. Hatte mich schon gewundert, was der da so nah am Haus macht.

Lurlurlurlurlurluruuruluru, so hört sich das an, wenn der Vogel singt.

Schon heute werden wir alle gewarnt. Und zwar vor Vögeln dieser Art, die uns aus dem Nichts heraus angreifen, da sie ihre Jungen beschützen wollen. Von August bis Oktober brüten sie. Das Umweltamt gibt in diesem Jahr erstmalig eine „Australische Magpie Karte“ raus, in welcher die Plätze an denen ein Angriff besonders wahrscheinlich ist, eingezeichnet sind. Alle die von einem solchen Vogel angegriffen werden, sind angehalten den Ort umgehend an das Amt zu twittern, e-mailen oder rasch anzurufen. Diese Orte werden dann in die Karte sukzessive aktualisiert. Paar Leute haben sich tatsächlich schon gemeldet.

Die Vögel fliegen zur Verteidigung gerne im Sturzflug auf störende Passanten oder Radfahrer und attackieren diese auch schon mal am Kopf. Doch meistens fliegen sie einfach wieder davon. Beim Umweltamt kann man sich Bilder von Augen für den Fahrradhelm besorgen. Männlich, weiblich und für Kinder. Die Vögel haben angeblich Angst, wenn man sie anblickt.

Diese zehn Tipps gibt das Umweltamt um den Angriffen zu entgehen (kann man sich sogar als Poster runterladen):

Top 10 tips to protect yourself from swooping birds
1. Know your local swooping hotspots (Magpie Map)
2. Avoid the area
3. Move quickly, don’t run
4. Cover your head
5. Eyes at the back of your head
6. Do not harass wildlife
7. Do not destroy nests
8. Don’t feed swooping birds
9. Travel in a group
10. Notify others

Kann man sich denn hier nie sicher fühlen in Australien? Ständig droht eine neue Gefahr.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Thursday, 19 August 2010

Schwedische Spielwiese!

Ikea, das ist doch immer einen Ausflug wert. Auch wenn man gar nichts benötigt und sich bereits mindestens schon mehr als hundertmal beim Aufbau einer Kommode versprochen hat, da jetzt nie mehr hinzufahren, geschweige denn was zu kaufen. Vorsätze sind da, um über Bord geworfen zu werden und man muss schließlich auch vergeben können. In so Situationen denke ich ganz gerne an Nelson Mandela. Der hat einem ganzen Volk vergeben, da sollte ich doch in der Lage sein, Ikea zu vergeben, dass man mich schon öfter mit einer für meinen Geschmack etwas komplizierten Anleitung losgeschickt hat.

Hier in Melbourne kann so ein Nachmittag bei Ikea auch ganz gut gegen Heimweh und als Kurzurlaub dienen. Ich weiß, dass ich keine Schwedin bin. Doch trotzdem, bei Ikea fühle ich mich komischerweise irgendwie zuhause. Ikea fühlt sich einfach gut an. Beim Anblick von Duftkerzen, Blumen, Servietten, Küchenhandtüchern und Kerzenständern werde ich regelmäßig schwach. Ja, ich brauche diese Dinge ganz dringend, auch wenn ich sie eigentlich wirklich und überhaupt nicht benötige. Ach und mit Knäckebrot, Marmelade, Haferflockenkeksen und Mandeltorte kann ich mich dort auch versorgen. Ein rascher, kontrollierender Blick in die Einkaufswagen der anderen Kunden verrät mir, dass es denen genau so geht wie mir. Voll beladen fahren alle heim.

Ikea hat viele Fans. Auf Facebook (für die Leser die gerade vom Mond zu uns gekommen sind, dass ist eine Soziale Network Seite im Internet) bekannten sich bislang 2.690 Leute dazu, am 29. August 2010 in der Filiale in Melbourne im Stadtteil Richmond vorbeizukommen. Nicht etwa um Duftkerzen, Blumen, Servietten, Küchenhandtücher und Kerzenständer zu kaufen, nein um Verstecken zu spielen. Vielleicht kaufen alle auch was von den vorher genannten Dingen. Ist sehr wahrscheinlich, kann man aber natürlich nicht so genau sagen. Am 11. August waren es erst 1.044 Versteckspielwütige. Treffen zum Reisenversteckspiel ist um 12.30 Uhr vor Ikea und enden soll es nach drei Stunden um 15.30 Uhr. Alle Instruktionen werden den Teilnehmern vor Ort mitgeteilt. Bislang wurde nur bekannt gegeben, dass alle Mitspielenden eine rote Schleife tragen sollen, die sie sich bitte selber mitbringen.

Jessica, Ellen, Maddie, Charley und Bonnie haben sich diesen Event ausgedacht. Fünf Schulmädchen aus Melbourne. Witzig und absolut sinnfrei. Einfach nur ein Riesenspaß. Die vier wissen wohl ganz genau wie man das Leben in vollen Zügen genießt und wie man Erinnerungen schafft. Sollten tatsächlich 2.690 Leute bei Ikea in Richmond erscheinen, wird das für die Mädchen, alle Mitspielenden und die Ikea Mitarbeiter wahrhaftig ein erinnerungswürdiger Tag werden. Bis zum 29. August können sich ja theoretisch noch weitere tausende Versteckwütige melden.

In den USA wurde schon mal heimlich eine Seifenoper bei Ikea gedreht. "Ikea Heights". Den Machern gelang es, in einer Filiale in Kalifornien, unentdeckt ganze sieben Episoden der Serie zu drehen.

Ikea rockt. Ikea ist halt Ikea! Ein Hoch auf Hemnes, Alvina, Karlstad, Tindra, Ribba und all die anderen. Wenn ich das hier so schreibe, bekomme ich wieder richtig Lust auf einen Besuch bei Ikea. Doch bis dahin werde ich mich mit der Miniserie vertrösten.

Ikea Heights Episode 1!


Wer jetzt gerne wissen möchte wie es weiter geht in Ikea Heights, für den gibt es hier Episode 2!


Und wer jetzt noch lieber wissen möchte, wie es weitergeht in "Ikea Heights", der googelt mal schnell :-)

Schöne Grüße aus Melbourne!

Wednesday, 18 August 2010

Haifische haben Zähne und wohnen im Ozean


Haifische haben Zähne und wohnen im Ozean. Dürfte doch eigentlich jeder schon mal von gehört haben und auch verstehen. Man kann in dem Fall wirklich nicht behaupten, davon nichts gewusst zu haben.


Beißen und die Auswirkungen?

Wenn meine Katze irgendwo herumliegt, ich streichele sie, sie will das aber nicht, dann zack, kratzt sie mich. Wenn wir im Revier eines Hais surfen gehen, der Hai das aber grad nicht will, dann zack, beißt er uns ins Bein. Die Ausmaße sind dementsprechend größer, doch vom Prinzip her ist es das Gleiche. Mensch bedrängt Tier, Tier wehrt sich.

Wenn ich morgens, kurz nach dem Aufwachen im Bett liege, kommt meine Katze manchmal vorbei und tippt mir mit der Pfote auf den Arm oder ins Gesicht. Neugierig versucht sie herauszufinden, ob ich wach bin. Süß. Planschen Badende ausgelassen und glücklich im Ozean, kann ein Hai vorbeikommen und einen anstupsen, um mal zu sehen, was das (die Person) da macht. Das kann fatal ausgehen, obwohl der Hai lediglich neugierig seinen Lebensraum untersucht. Aber dass finden wir gar nicht niedlich.

Verwechslungen!

Jeder kennt das, man ist auf einem Markt oder im Shoppingcenter und spricht einfach locker flockig mit der Person, die neben einem läuft. "Wir sollten gleich noch in diesen neuen Laden, von dem hab ich nur Gutes gehört, ach die roten Schuhe möchte ich unbedingt kaufen, meinst du in dem Rock, den ich grad anhatte, sehe ich zu dick aus?", fragt man seinen vermeintlichen Partner, die Freundin oder Schwester. Plapper, plapper, plapper. Huch, das ist ja ganz jemand anders, stellt man schon bald darauf erschrocken und peinlich berührt fest. Ich habe da wohl jemanden verwechselt.

Wer selber schon mal surfen war, weiß, dass man viel paddeln und ewig lange auf dem Board sitzend auf die perfekt Welle wartet. Haie schwimmen im Ozean rum und sehen von unten einen langen Körper mit vier Dingern links und rechts dran. "Robbe, passt in mein Beuteschema, hatte ich schon lange nicht." Hai beißt Stück von Objekt ab. Auch hier sind die Ausmaße der Verwechslung wieder um so viel größer und schrecklicher. Der Hai schwimmt aber nicht tief betroffen und peinlich berührt davon. Wahrscheinlich ist er verwirrt, dass die Robbe an dem Tag so komisch geschmeckt hat.

Gefahren lauern überall!

Vor Kurzem war ich im Okavango Delta. Überall warnten mich Schilder, vor Löwen, Elefanten, Nilpferden, Krokodilen und ähnlich gefährlichen Tieren. Nie hätte ich meinen Wagen verlassen, um im Busch spazieren zu gehen. Ich wollte nicht gefressen werden und zum Glück hab ich auch alles überlebt. Noch mal gut gegangen. Klar stimmt mir ja jetzt jeder wieder zu. Ist ja selbstverständlich, dass ich in Afrika nicht aussteige, um ein Erinnerungsfoto mit dem Löwen zu machen.

Wenn ich als Fußgänger eine Autobahn betrete, kann es unter Umständen passieren, dass ich von einem herannahenden Fahrzeug überfahren werde. Wer macht denn auch so was, das ist wirklich eigene Dummheit. Der Löwe wohnt im afrikanischen Busch (nur in manchen Gegenden Afrikas um genau zu sein) und der Hai wohnt im Ozean. Warum sind dann viele so verdutzt, wenn sie von Haiangriffen hören? Und warum hetzen so viele Menschen gegen Haie, obwohl sie sich nie mit dem Thema beschäftigt haben?

Der Ozean, Unfälle und die Natur

Gestern am frühen Morgen wurde ein Surfer in der Nähe von Gracetown in Westaustralien von einem Hai gebissen. Die Verletzung, die er dabei davon getragen hat, hat er leider nicht überlebt. Ich fühle mich dem Ozean und auch den Surfern verbunden. Surfer respektieren die Natur und den Ozean. Das Wasser, der Ozean ist ihr Element und sie wissen, dass sie sich dieses mit vielen anderen Ozeanbewohnern teilen. Wir Menschen sind nur zu Gast im Ozean. Surfer lieben den Ozean und betreiben keine Hetze gegen Haie.

Die Mutter des verunglückten Surfers gab in einem Zeitungsartikel an, dass ihr Sohn schon mal von einem Hai angegriffen wurde, an der Gold Coast in Australien. Die Liebe zur Natur, zum Ozean und zum Surfen treibt jeden Surfer immer wieder zurück aufs Board. Jeder geht das Risiko auf einen Hai zu treffen vollen Bewusstseins ein.

Die Haie schwimmen nicht im Ozean herum, um uns zu fressen. Und das ein Schwimmer oder ein Surfer von einem Hai verspeist wird, kommt glücklicherweise sehr selten vor. Mir tun der verunglückte Surfer und seine Familie unendlich leid. Doch diejenigen, die jetzt den Hai töten wollen, sind einfach nur sehr ignorant.

Was kann ich denn machen, um einem Aufeinandertreffen mit einem Hai aus dem Weg zu gehen? Hier ein paar Anregungen!

► An bewachten Stränden schwimmen oder surfen
► Vor dem Schwimmen und Surfen duschen gehen (Körpergeruch kann Haie anziehen)
► Nicht in den Surfanzug urinieren (Total ekelig. Körpergeruch kann Haie anziehen)
► Gar nicht erst dort schwimmen oder surfen, wo Haie vorkommen könnten
► Immer mit einer Gruppe surfen oder schwimmen gehen
► Nicht schwimmen oder surfen gehen, wenn man blutet (Gilt für offene Wunden, wie für die Menstruation!)
► Nicht zu weit vom Ufer schwimmen oder surfen (Nicht in der in der Nähe von Flussmündungen, nicht in tiefem Wasser)
► Nicht mit Hunden schwimmen gehen
► Nicht im Morgengrauen, zum Sonnenuntergang oder in der Dunkelheit schwimmen oder surfen
► Nicht in der Nähe von Anglern oder Fischern schwimmen oder surfen
► Keinen Schmuck tragen. Spieglungen im Wasser könnten mit den Schuppen von Fischen verwechselt werden
► Nicht in der Nähe von Seehunden schwimmen oder surfen
► Bei einer Haiwarnung das Wasser umgehend verlassen, nicht in Panik geraten

Schöne Grüße aus Melbourne!

Tuesday, 17 August 2010

Zweimal am Tag in den Puff. Reine Auslegungssache


Nie spricht eigentlich jemand öffentlich davon, ein Bordell zu besuchen. Ganz im Gegenteil, es gibt sie, aber niemand geht hin. Deshalb hat der Arzt mir jetzt auch verordnet, zweimal am Tag in den Puff zu gehen. Was? Das kann doch nicht sein, rufen die Skeptiker laut aus. Richtig, um den Schrecken sofort zu dämpfen. Das stimmt doch gar nicht. Mein Mann war etwas irritiert, als er auf unserem Küchentisch ein Post-It fand, auf dem "Puff Morning + Night", steht. Darunter ist ein Mann abgebildet, der losrennt. Ja ganz genau so, als würde er losrennen. In den Puff.

Ausnahmsweise waren wir diesmal nicht "Lost in Translation". Eher haben wir was dazu gewonnen, nämlich en paar äußerst spaßige Momente. Ein Wort kann ja häufig zwei Bedeutungen haben. In allen Sprachen. Und besonders, wenn man es von einer Sprache in eine andere übersetzt. Oder wenn man es nicht übersetzt und es, aus dem Kontext gerissen, ganz einfach in seiner eigenen Sprache liest. Immer ein Riesenvergnügen und ein Riesenlacher.

Lese ich das Post-It auf unserem Küchentisch mit meinem deutschen Auge, sagt es mir, ich möge morgens und abends in den Puff gehen. Lese ich es mit meinem englischen Auge, sagt es mir ich solle morgens und abends eine Dosis meines Asthma Sprays anwenden. Als Erinnerung an das letztere, hatte der Arzt mir seine Anweisung auf einen Post-It geschrieben.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Monday, 16 August 2010

Die Wedding Party

Neulich war ich auf der Hochzeitsfeier eines Melburnians und einer jungen Russin. Eingeladen hatte ich mich selber. Das war ganz einfach. Zugang verschaffte ich mir mit dem online Kauf eines Tickets für „The Wedding Party“ im Wert von AUD 17.50. Ein Film, der in Melbourne spielt. Versteht sich von selbst, dass ich mir den unbedingt anschauen musste. Ich war nicht allein auf dieser Hochzeit. Die Vorstellung war komplett ausverkauft. Als die Regisseurin uns ihren Film höchstpersönlich ankündigte, gerieten die Zuschauer förmlich außer Rand und Band. Ein Film, der in Melbourne spielt! Alle waren bereit Zeuge von etwas ganz großem zu werden. Mit dem Film wurde das Internationale Film Festival in Melbourne eröffnet. Der Film ist einfach aber lustig. Nicht anstrengend, teilweise ein ganz klein wenig langatmig, unterhält er einen über ganze 110 Minuten. Ein freundlicher Film, seichte Unterhaltung, ich habe mich echt amüsiert. Alles sehr witzig.

Ich bin doch auch immer ganz aus dem Häuschen, wenn ich mir den Bewegten Mann ansehe. Logo, verstehe ich da die Begeisterung der Melbourner für ‚ihren’ Film.

Die Geschichte zu dem Film wurde von einer Australierin geschrieben, Regie führte ebenfalls eine Australierin und die Schauspieler sind alle AustralierInnen. Australischer geht es kaum. So weit so gut. Die Story.

Melbourne. Ein verschuldeter Melbourner, liiert mit einer Lehrerin. Eine junge Russin, liiert mit einem Kellner. Der verschuldete Melbourner entschließt sich dazu, die junge Russin zu heiraten, um dieser zu einer Aufenthaltsgenehmigung zu verhelfen. Sie wird ihm AUD 25.000 dafür zahlen. Eine Hand wäscht die andere. Die sehr hübsche Russin wird sofort freundlich von seiner Familie aufgenommen, welche umgehend mit der Hochzeitsplanung beginnt. Die Familie zahlt dem Vater sogar den Flug von Russland nach Melbourne, damit er an der Hochzeit seiner Tochter teilnehmen kann. Dann gibt es auch noch eine 14-jährige zum ersten Mal verliebte Nichte, eine Schwester, einen Bruder, der Tierarzt ist und auf Sadomaso steht und einen Vater (Oberhaupt der Familie), der von der Mutter (Oberhaupt der Familie) getrennt lebt, weil er sie mit einer etwas jüngeren Frau betrogen hat.

Der Film möchte eine sexy romantische Komödie sein und das ist er ja wohl auch. Doch, ich kann mir nicht helfen. Da schrie in mir schon wieder alles Klischee, Klischee Klischee. Denn der Film bedient ja echt so ziemlich jedes gängige Klischee. Genau genommen, ist der Film eine einzige Aneinanderreihung von Klischees.

Alle Erdenbürger sind scharf darauf nach Australien einreisen zu können. Immigranten scheren sich einen Dreck darum, ob ihre Einreiseprozedur illegal ist. Die Australier begrüßen Ausländer mit offenen Armen und sie sind stets sehr hilfsbereit. Die guten Menschen sind Lehrer. Alle Russinnen sind schön. Alternde Männer betrügen ihre Ehefrauen, doch schon bald sehen sie ein, dass die neue Frau die falsche ist. Russen trinken viel Vodka. Am Ende siegt immer die Liebe.

Was wollte die Autorin mir jetzt sagen? Welche Botschaft wollte sie mir mit dem Film senden? Wollte sie mir zeigen, dass hier doch eigentlich gar niemand rassistisch ist? Kino ist ja immer ein wenig, La-La-Land! Wahrscheinlich liegt gar keine Absicht hinter der unrealistischen Darstellung. Australien ist das Beste Land der Welt und alle Erdenbürger sind scharf darauf nach Australien einreisen zu können und die Australier freuen sich über jeden Ausländer der hierher kommt. Wenn dem so ist, warum wurde dann heute diese Umfrage in der Tagezeitung gestartet „Glauben Sie das Tony Abbot die Asylbewerber Boote zum umkehren bewegen kann?“ Das ist kein Kinofilm. (Tony Abbot ist der Oppositionsführer). Und wenn alles schief läuft, wird er nächstes Wochenende zum neuen Premierminister gewählt werden.

The Wedding Party. Wenn man den Film nicht so kritisch betrachtet und das jetzt alles nicht so genau nimmt, und wie ich mir manchmal wünschte genau das fiele mir etwas leichter, bleibt ein wirklich netter Kinobesuch übrig. Kommt es wohl zur geplanten Hochzeit?

Schöne Grüße aus Melbourne!

Sunday, 15 August 2010

Die größte Schafs-Show der Welt


Ich habe es mir nicht nehmen lassen, die seit 1877 einmal jährlich in Bendigo, Victoria stattfindende Schafs-Show zu besuchen. Diese Schafs-Show gilt als die größte ihrer Art in der ganzen Welt. Dort findet man alle Informationen rund ums Schaf. Die mehr als 5000 teilnehmenden Farmer informieren über unterschiedliche Schafs-Rassen, Baby Schafe, Alpakas, Ziegen, Schafhütehunde, Wolltypen, Mode aus Wolle, Lebensmittel und Schafsscherer.

Einem Border Collie Wettbewerb habe ich beigewohnt und gelernt, dass ein guter Hund die Arbeitskraft von zwei Männern wert ist. Die Bauernfrauen können sich an dem Tag voll der Wolle hingeben. Anscheinend stricken die Männer nicht, denn es war nur von Frauen die Rede. Sie können selbst gestricktes / selbst gehäkeltes ausstellen, einkaufen und/oder verkaufen.

Der ganze Besuch war äußerst interessant. Alle waren guter Stimmung, man konnte die in der Luft liegende Aufregung spüren. Sogar für den Nachwuchs war gesorgt. Kinder, die Farmer von morgen, hielten ihre eigenen Wettbewerbe ab.



Romantische Vorstellungen von riesigen Schaffarmen im australischen Busch schossen mir durch den Kopf. Bilder von gemütlichen Lagerfeuern nach einem anstrengenden Tag auf der Farm. Alles ganz nett, so richtig idyllisch was die Leute auf dem Land so treiben. Jeder kennt jeden und hält gerne mal einen kleinen Schnack.

Ich habe mich dann auch schon bald auf den Weg gemacht, in das Zelt in denen die Schafscher-Demonstrationen abgehalten wurden. Die Schafscherer gehen nicht gerade zimperlich mit den Tieren um. Der ganze Vorgang sah sehr brutal aus, bei einigen Schafen habe ich blutige Wunden am Körper gesehen. Übel wird einem da schon, hört auf möchte man da am liebsten laut in die Gesellschaft brüllen. Irgendwie hatte ich plötzlich keinen Spaß mehr und bin heimgefahren. Hier hab ich ja nur ganz normales Schafscheren gesehen. Der Vorgang des Mulesings wurde nicht vorgeführt. Zu meinem großen Glück.

Schafen wurden Hautfalten angezüchtet, so dass man mehr Wolle gewinnen kann. In diesen Falten sammelt sich Schweiß und Urin, dies zieht Fliegen an. Um die Schafe vor dem Befall der Fliegenmadenkrankheit zu schützen, schneiden Bauern ihnen große Hautstücke rund um den Schwanz weg, ohne Narkose. Einmal vernarbt, können Fliegen in diese Stellen keine Eier mehr legen. Die legen dann oft Eier in die offenen Wunden. Die schmerzhafte Prozedur wird Mulesing genannt.

Vor fünf Jahren hat ‘Australian Wool Innovation’ zugesagt, dass Mulesing in Australien im Jahr 2010 verboten wird und Alternativen ausgearbeitet werden. Doch dieses Versprechen wurde bislang nicht gehalten. Den Farmern ist das ganz einfach zu aufwendig und teuer. In Südafrika und Südamerika wird kein Mulesing mehr durchgeführt. Die australischen Farmer hätten gerne eine Prämie auf den Verkaufspreis ihrer Wolle, wenn diese ohne Mulesing von den Schafen gewonnen wurde.

Die ‘Australian Wool Innovation’ bittet seit 2008 die australische Bauern, ein Formular auszufüllen, in welchem sie angeben, ob auf ihrem Bauernhof noch Mulesing durchführen. Nur 38 Prozent der Bauern macht mit. Als Zeitverschwendung empfindet es der Rest der Bauern. Sie füllen das Formular aus, wenn Mulesing in Australien verboten wird. Das sei immer noch zeitig genug, finden sie. Bis dahin machen sie weiter wie bisher.

2010 ist ja noch nicht um. Vielleicht ändern die australischen Schafsbauern ihre Meinung ja noch. Auf der Show gaben sich alle als eine glückliche Gesellschaft von Schafsbauern. Warum können sie sich nicht einigen und eine für die Schafe angenehmere Prozedur einführen? Der Druck von Einkäufern aus dem Ausland wächst und ist bereits gewaltig.

Schöne Grüße aus Melbourne!

Saturday, 14 August 2010

Katze wandert nach Australien aus

Wer sich jetzt vorstellt, dass ich mit Katze zum Flughafen gefahren bin, sie neben mir schnurrend im Flugzeug saß und ich bald darauf mit ihr zusammen in den Sonnenuntergang in Port Melbourne lief, der liegt komplett daneben. Aufwachen und zurück in die Realität. Diese Vorstellung ist ja ganz süß, doch funktioniert so leider nicht. Wofür gibt es denn schließlich Gesetze? Bei diesem Projekt erlangte ich einen ersten Einblick in die australische Bürokratie.

Als Katze spitzkriegte, dass es nach Australien geht, da wollte sie natürlich unbedingt mit. Sie hatte es halt satt, sich im ewigen Dauerregen ständig nasses Fell und Pfötchen zu holen. Katze ist von jeher reiselustig, hatte sie es doch schon so geliebt, sich auf Norderney mit den Möwen und in London mit den Tauben anzufreunden. Katze träumte nun von einem Platz in der Sonne. Es gab keinen langwierigen Entscheidungsprozess, es ist eine großartige Idee, zusammen nach Australien zu gehen und ich machte mich umgehend an die nervenaufreibende Aufgabe.

Bis ich die exakte Vorgehensweise eruiert hatte, nahm ich oft an, dass wir nie nach Australien einreisen können. Auch der Amtstierarzt in Deutschland war keine große Hilfe, da nicht ausreichend unterrichtet. Als hilfreich erwies sich Katze’s Tierärztin, sie hatte einige gute Tipps parat und stieß mich in die richtige Richtung. Gerne hätte ich jemanden gehabt, der mir den Ablauf mal eben ruckzuck erklärt. Dieser Wunsch wurde mir nicht erfüllt. Die deutschen Transportunternehmen wissen, dass ich als Tierhalter keine andere Wahl habe, als mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dementsprechend verhalten sie sich auch. Ich finde es nicht gut, wenn ich mit Machotypen zu tun habe, die sich sichtlich an ihrer Macht erfreuen. Vielleicht haben sie ja sonst nichts zu melden im Leben? Einen Transportvertrag habe ich nicht erhalten, gewöhnungsbedürftig.

Viele Einzelstücke ergaben letztendlich ein ganzes. Im Nachhinein hat alles geklappt. Ist es nicht herrlich, dass man hinterher immer schlauer ist? 

Die Reise

Es kostet mich einige Überwindung, meine geliebte Katze an einen völlig Fremden zu übergeben, der sie nach Australien verfrachtet. Als Katze zur Reise abgeholt wird, denke ich noch, das wird nie was. Wie? Wie soll Katze das jetzt schaffen, bis zum Frankfurter Flughafen? Wie soll Katze es schaffen, ins Flugzeug nach Australien zu steigen? Wie soll sie es schaffen, vom Flughafen in Melbourne zur Quarantäne Station im Westen der Stadt zu kommen? Katze fliegt drei Tage vor mir aus Deutschland ab und zieht sofort in die Quarantäne Station ein. Natürlich frage ich mich, was macht Katze drei Tage ohne mich in Australien? Das kann alles nicht funktionieren.

Wunder gibt es aber doch. Nach drei langen Tagen besuche ich sie in der Quarantäne Station in Melbourne, sie begrüßt mich freudig miauend mit steil aufstehendem Katzenschwanz. Sie ist so gut drauf wie immer. Da ist klar, Katze ist quasi alleine, ganz ohne mich, nach Australien ausgewandert.

Die Reise von Deutschland nach Australien hat Katze völlig unbeschadet überstanden. Auf Fragen bezüglich ihrer Rasse antworte ich nicht mehr mit „Hauskatze,“ sondern mit „Reisekatze.“ Das beweist sie immer wieder aufs Neue, indem sie sich sofort in den Koffer setzt, wenn dieser halb gepackt für eine Urlaubsreise bereit steht.

Alle Infos schnell und übersichtlich auf einen Blick

Diese Angaben sind gültig, wenn man aus einem europäischen Land einreist. Stand Januar 2006, dem Zeitpunkt des Umzugs.

Übersicht Quarantäne Zeiten

• Antibody Test 150 Tage vor Einreise nach Australien = Quarantäne 30 Tage
• Antibody Test 135 Tage vor Einreise nach Australien = Quarantäne 45 Tage
• Antibody Test 120 Tage vor Einreise nach Australien = Quarantäne 60 Tage
• Antibody Test 90 Tage vor Einreise nach Australien = Quarantäne 90 Tage
• Antibody Test 65 Tage vor Einreise nach Australien = Quarantäne 115 Tage

Vorbereitung/Impfung/Dokumente

1. Gehe zu AQIS. Im Internet auf der AQIS Seite das Dokument: "Application for Permit to Import Quarantine Material" ausdrucken, ausfüllen
2. Tierarzt Bestätigung ausdrucken, mit zum Tierarzt nehmen, von diesem ausfüllen lassen
3. Microchip (Avid, Trovan, Destron oder ISO Zertif. Lesegerät). Diese Nummer muss auf allen Dokumenten sein.
4. Antibody Test Tollwut beim Tierarzt, Beglaubigt vom diagnostischen Labor in Giessen. (RNATT Laboratory Report). In Deutschland ist nur dieses Labor bevollmächtigt, dass müsste der zuständige Tierarzt bestätigen. Nachdem er den Antibody Test genommen hat, sendet der Tierarzt diesen ein.
5. Das vom Diagnostischen Labor in Giessen beglaubigte Antibody Test Zertifikat, muss anschließend vom Amtstierarzt beglaubigt werden.
6. Gültigen Tollwut Schutz, Tollwut Impfung, beglaubigt vom Amtstierarzt.
7. Für Katzen Vorschrift: Zecken, Würmer und F3, F4. Es gibt sicherlich Impfungen für Hunde, die ich aber nicht kenne.
8. Alle vom Tierarzt beglaubigten und abschließend vom Amtstierarzt beglaubigten Dokumente mit allen erforderlichen Antragsformularen zu "AQIS - Live Animal Imports", nach Canberra/Australien senden.

Buchung der Reise für die Katze

1. Während des oben genannten Ablaufs die Unterkunft in der Quarantäne Station buchen (Die Quarantäne Station für Victoria ist in Melbourne).

Spotswood Animal Quarantine Station
43-47 Craig St
Spotswood Victoria 3015
Phone: 61 3 9391 1627
Fax: 61 3 9391 0860

2. Von Aqis erhält man eine "Permit Number". Mit dieser Nummer und einer Kopie des Impfausweises muss man den Flug bei Qantas mit einer Transportfirma buchen. Das Haustier darf nur mit Qantas nach Australien einfliegen. Die Katze kann mit einer in Deutschland ansässigen Firma importiert werden. Den Flug kann man erst buchen, wenn man die Permit Nummer von AQIS hat. Das ist Vorschrift für die Einreise von Haustieren nach Australien. Katze ist mit GK Air gereist. Es gibt sicherlich noch andere Transportunternehmen.

3. Die Transportbox muss mit einem Netz abgedichtet sein, diese muss groß genug sein, dass das Haustier diese nicht berührt, wenn es steht usw. Eine den Vorschriften entsprechende Transportbox bekommt man in jedem Zoogeschäft. Der Tierarzt kann sicher auch weiterhelfen.

In der Quarantäne Station

1. Das Haustier wird einer Tierärztlichen Untersuchung unterzogen
2. Man kann sein Haustier besuchen, mit Quarantäne Station absprechen.


Kosten (Anfang 2006)

1. Dokumente, Impfungen, Anti Body Test, Beglaubigungen in Deutschland:
EUR 300.00

2. Der Flug, die Transportbox und die Tierarztuntersuchung die vor dem Flug anfallen:
EUR 685.00

3. Transfer/Tierarztuntersuchung/Eingangsgebühr/Aufenthalt Quarantäne Station:
AUD 1,847.35 (Katze war 117 Tage in der Station).



Schöne Grüße aus Melbourne!