Sunday, 31 July 2011

Australien! Pfiffig!

Wenn man mal krank ist und ein paar Tage daheim verbringt, von zu Hause aus arbeitet, Hausmann/Hausfrau ist oder aber auch RentnerIn im wohlverdienten Ruhestand kriegt man sehr schnell mit, dass häufig Leute schellen, die einem etwas verkaufen möchten. Sei es ein Zeitungsabo, einen billigeren Telefonvertrag, Privatfernsehen oder aber auch einen günstigeren Stromanbieter.

Vor ein paar Tagen erhalte ich die Gasrechnung. Und da ist doch tatsächlich ein Aufkleber dabei, der sagt „Bitte nicht anklopfen. Keine Vertreter. Danke“.


In der ersten halben Sekunde denke ich noch, was für eine nette Geste. Doch Moment, wie pfiffig denk ich in der zweiten halben Sekunde, so kann man gleich die Konkurrenz ausschalten, die den Kunden einen günstigeren Vertrag anbieten könnte. Das nenne ich so was von Mega-Pfiffig!

Schon sehe ich die ersten Leute den Aufkleber an ihren Garageneinfahrten und eingezäunten Grundstücken anbringen und somit dem Anbieter einen riesigen kostenlosen Dienst erweisen. Doch das heißt sicher nicht, dass wir dann bald alle Ruhe haben werden, vor den armen Seelen, die uns etwas an der Haustür verkaufen wollen. Die können uns ja weiterhin noch mit ihren Anrufen beglücken und das vielleicht sogar verstärkt, sozusagen als Reaktion auf die Aufkleber. Ach ne, und das alles immer auf dem Rücken der Verbraucher!

Bürger können sich auch auf einer Webseite der Regierung registrieren lassen, wenn sie nicht mehr von Vertretern kontaktiert werden möchten. Doch wie die hier den Datenschutz handhaben, da beantworte ich doch lieber die paar Anrufe von ein paar Firmen. Ich finde das sowieso auch immer ganz lohnenswert, das ist doch wie ein kostenloser Blick hinter die Kulissen. Wie stellen die sich bei mir vor, wie bringen die ihr Anliegen vor, was fragen die mich und so weiter ... manchmal stelle ich denen extra knifflige Fragen, deren Beantwortung eigentlich jeder gute Verkäufer im Griff haben sollte. Das sagt so viel über das Unternehmen aus! Wie wichtig bin ich denen eigentlich als Verbraucher, wie gut sind die Mitarbeiter auf mich vorbereitet? Hilfe, jetzt stellt der Kunde auch noch Fragen ...

Was ist das Pfiffigste, was Euch in der Welt des Marketing bislang untergekommen ist?

Schöne Grüße aus Melbourne!


Saturday, 30 July 2011

Australien-Ereignisse auf Platz 130 von 15.465!

Australien-Ereignisse ist derzeit auf Platz 130 von 15.465 gemeldeten Blogs. Da freue ich mich aber unglaublich!


Ich bedanke mich bei allen meinen vielen Lesern in Afrika, Asien, Europa, Nordamerika, Südamerika und Australien. Nur aus Antarktika hat noch nie jemand auf Australien-Ereignisse vorbeigeschaut.

Was ich im Juni 2010 an einem eher ruhigen und kalten Wintertag in Melbourne ins Leben gerufen habe, hat sich mittlerweile zu einer beliebten Australien-Informationsplattform in deutscher Sprache entwickelt. Seit Juni 2010 habe ich mich von allerlei Menschen und Dingen zu 313 Artikeln rund um die Themen Reisen, Abenteuer, Politik, Gesellschaft, Immigration, Kultur, Bräuche, Sprache, Flora und Fauna in Australien inspirieren lassen. Ich habe nachgefragt, aufgepasst, meine Neugier nie verloren. Ich habe hingehört und akribisch recherchiert, geschrieben und hier auf dieser Seite veröffentlicht. Meinen Spaß und meine Leidenschaft verliere ich dabei nie. Es gibt noch so viel mehr aus Oztralien zu berichten.

Kommentare, Kritik, Ideen und natürlich auch Komplimente aller Art werden sehr hoch geschätzt und sind jederzeit willkommen! Vielen herzlichen Dank im Voraus.

Schöne Grüße aus Melbourne!


Friday, 29 July 2011

The Ship Song. Ein Werbefilm, mit Liebe gemacht

Denkt man an Australien, hat man wohl sofort das Opernhaus in Sydney vor Augen. Seit 2005 befindet es sich sogar auch auf der UNESCO-Liste des Welterbes. Der dänische Architekt Jørn Utzon der das Opernhaus entworfen hat war hocherfreut und ganz Australien freute sich mit ihm. Ist das Gebäude im Hafen von Sydney doch auch eine echte Ikone.

Eine Liebeserklärung.

In einem Werbefilm für das Opernhaus in Sydney werden Zuschauer nun mit auf eine Reise durch fast alle sieben unterschiedlichen Vorführräume des Hauses genommen. Konzert Halle, Opera Theater, Drama Theater, Playhouse, Studio, Utzon Raum und Vorhof (Freiluft-Theater). So viele Ideen und Leidenschaft in nur einem Video, das Opernhaus in Sydney verdient es ganz einfach. Die Erstellung des Videos hat die Macher im ganzen um die zwölf Monate in Anspruch genommen.

Mit dem Lied "Perfect Day" hat die BBC unter Starbesetzung für ihren Sender beworben. Nach dem gleichen Prinzip wird es nun in diesem Werbefilm für das Opernhaus gemacht. The Ship Song ist ein Lied von Nick Cave, der macht hier bei diesem Projekt zwar nicht mit, hat aber nichts einzuwenden gegen die Nutzung seiner Arbeit. Im Opernaus gibt es ein Aufnahmestudio, in dem das Lied aufgezeichnet wurde. Mit dabei sind Neil Finn, Kev Carmody und The Australian Ballet, Sarah Blasko, John Bell, Angus und Julia Stone, Paul Kelly und Bangarra Dance Theatre, Teddy Tahu Rhodes und Opera Australia, Martha Wainwright und Schulkinder, Katie Noonan und The Sydney Symphony, The Temper Trap, Daniel Johns und das Australian Chamber Orchestra. Viele der Künstler sind selber schon vor Publikum im Opernhaus aufgetreten.

The Ship Song

Come sail your ships around me
And burn your bridges down
We make a little history, baby
Every time you come around …


Der Film soll Menschen aller Altersgruppen ermuntern zum Opernhaus zu kommen. Ein Kult Song für ein Kult Gebäude. Was haltet Ihr davon?

Schöne Grüße aus Melbourne!


Thursday, 28 July 2011

German Day Out. „Deutscher“ Schulausflug nach Melbourne!

Ungefähr 1.500 Schüler der Sekundarstufe von 35 Schulen aus Victoria waren heute am Federation Square in Melbourne, sie alle lernen Deutsch als Fremdsprache. Heute konnten sie bei einem Schulausflug zum Fed Square alles über die Vorteile und Möglichkeiten erfahren, die ihnen die Kenntnis der deutschen Sprache einbringen könnte. Besser hätte das Wetter für so einen Ausflug allerdings auch nicht sein können. Der Himmel war strahlend blau. German Day Out!

Nur ganz kurz hab ich da heute mal vorbeigeschaut, ich war doch neugierig. Ich hatte ein paar aufschlussreiche Unterhaltungen. Mit Jason etwa, er war schon mal mit seinen Eltern im Urlaub in Deutschland, das hat ihm super gefallen, doch essen mochte er dort nichts. Es gab so viel Fleisch, die Leute in Deutschland essen ja noch nicht einmal eine Tomate oder ein paar Salatblätter.

Rachel erzählt begeistert über die großen Unterschiede zwischen den Kulturen. In Deutschland essen immer alle zusammen und man wartet, bis alle gemeinsam am Tisch sitzen, bevor man anfängt zu essen, der Fernseher läuft auch nicht beim Essen, sondern alle erzählen sich, wie es in der Schule war.

Georgette war als Gastschülerin in Hamburg und fand es super gut, dass sie in Deutschland mal richtige Burgen besichtigen konnte, diese kannte sie bislang nur aus Märchenfilmen. Ihre Gastfamilie war ständig mit ihr unterwegs, deren liebstes Hobby war das wandern, ihre Eltern mögen es leider nicht. Doch in Deutschland haben unheimlich viele das Wandern zum Hobby.

Alle drei würden nach der Schule und ihrem Studium gerne für eine Zeit in Deutschland arbeiten, aber nur für ein paar Jahre, denn Australien ist halt doch ihre Heimat, mit all ihren Freunden und ihren Familien, das möchten sie nicht aufgeben. Bis dahin lernen sie fleißig weiter deutsch.

Sicher hätte ich noch mit weiteren Hunderten interessanten Schülern sprechen können, doch ich musste leider weiter.


Schöne Grüße aus Melbourne!


Melbourne, ein Wintertag!


Früh morgens ist es derzeit leicht eisig frisch. Doch im Laufe des Tages kommt die Sonne raus, um uns Melburnians zu verwöhnen. Gestern und heute wurden und werden wir noch immer von milden 16 Grad Celsius beglückt. Besser kann ein Winter wohl kaum sein. Und dieses blau!

Wie ist das Wetter bei Euch?

Schöne Grüße aus Melbourne!


Wednesday, 27 July 2011

Australien. State of Design. Festival in Melbourne!

Zum siebten Mal findet es gerade statt, dass State of Design Festival, die größte Design-Veranstaltung in Australien und eine Initiative der Regierung Victorias. Ein Bewusstsein für den Wert von Design soll erzeugt werden, verstehen lernen sollen die Besucher, auf welche Art Design den Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft fördert. Im Rahmen des Festivals wird gezeigt, wie die australischen Designer Lebensbedingungen verbessern, nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten kreieren und ideenreiche Produkte und Dienstleistungen erschaffen können; Design bringt nicht nur den Verbrauchern etwas, vor allen Dingen aber soll es dem Bundesstaat Victoria einen wirtschaftlichen Nutzen schaffen.

Das Festival versucht durch viele Veranstaltungen das Publikum dazu zu bringen, ein Gefühl für den Wert und die Leistungsfähigkeit von Design zu entwickeln. Es ist geprägt von Workshops, Foren, Ausstellungen und Veranstaltungen. Gastredner gibt es viele, besonders beeindruckend wird der Talk mit Milton Glaser sein, denn wie kein anderer hat er mit der Kreation von "I♥NY" die Welt verändert.

In diesem Jahr kann man Projekte erkunden, die sich in, auf und um Orte drehen, die verbinden, die auf eine Veränderung gerichtet und beweglich sind. Wie kann Design eingesetzt werden, um lebendigere Städte zu gestalten? Design zu finden in Übergangszonen, gemeint sind damit etwa Bahnsteige, Foyers und aber auch Treppen. Auf diese Art hab ich die mich umgebende Architektur bislang nie betrachtet, doch jeder dieser Räume ist ein Ort, der uns zu anderen Orten bringt. Design beeinflusst uns Menschen wohl in vielerlei Hinsicht. 


Und, weil das Erkunden und Nachdenken natürlich hungrig macht, bin ich auch noch etwas essen gegangen. Melbourne ist für seine unzähligen Restaurants bekannt, jeder, der was auf sich hält, weiß, wo man am besten essen kann, das ist mittlerweile schon zu einer Art Volkssport geworden. So fiel es den Veranstaltern nicht schwer, ein eigens für das Festival geschaffenes Restaurant zu eröffnen. Im Restaurant „Micro Kitchen“ im General Post Office auf der Bourke Street, der Einkaufsstraße in Melbourne, arbeiten Designer und Köche zusammen, um täglich eine andere Suppe anbieten zu können. Wie interpretiert der Koch die Idee und die Arbeiten des Designers? Zum Lunch am langen Tisch im Glaskasten finden sich viele hungrige Begeisterte ein, die das rausfinden möchten.

Die ganze Stadt steckt im Design Fieber und das noch bis zum Ende der Woche.

Schöne Grüße aus Melbourne!


Tuesday, 26 July 2011

Australien. Sonntags im Café! Mangelnde Sprachkenntnissse!

Vor einiger Zeit, im Herbst war das, machte ich mich beim Versuch meine Gäste in die geheimnisvolle Welt der Löffelsprache einzuführen, zum Gespött von allen Anwesenden. Erinnern, wie wir darauf kamen, kann ich mich nicht mehr. Um so verzweifelter ich versuchte die Idee rüberzubringen, um für so verrückter hielt die Runde mich. Ich hab Löffelsprache auf Englisch gesprochen, versteht sich. Nichts. Als ich ein Ass aus dem Ärmel zog und von meinen Freundinnen in Deutschland erzählte, die alle die Löffelsprache sprechen, galten diese ganz entgegen meiner Absicht auch als vollkommen daneben. Ich kam mir verloren vor, doch was soll’s? Das Leben geht weiter.

Die Löffelsprache, meine Freundinnen und ich, wir sprechen die sogar auch heute noch je nach Situation. Auch auf die Gefahr hin, dass sich das jetzt sehr melodramatisch anhören mag, aber Löffelsprache das ist Heimat für mich. Monate gingen ins Land, ohne das ich die Löffelsprache weder gesprochen, noch über sie nachgedacht habe und aus dem Herbst wurde Winter.

Am Sonntag ist mir etwas Fantastisches passiert, ja ein geringeres Wort kann es nicht beschreiben. Ich habe mich zum Kaffee und Kuchen mit einer neunzigjährigen Dame getroffen. Lilli, hier sprechen sich alle mit dem Vornamen an, wurde in Danzig geboren und ist 1948, um die 58 Jahre vor mir, nach Melbourne gekommen. Für die Dauer unseres Treffens hing ich an ihren Lippen, so ergreifend waren die Schilderungen ihres Lebens. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und sie war begeistert, da ich ganz in der Nähe ihrer ehemaligen Arbeitsstätte wohne. Oftmals vermisst sie es unter Menschen zu sein und trotzdem, wie es wohl nur eine Dame ihres Alters kann, ist sie unbefangen, sie lacht sehr viel, ein ganz vergnügtes Lachen, von der Sorte, dass es heute eigentlich gar nicht mehr gibt. Ein ganz echtes Lachen. Lilli spricht sehr viel über Vergangenes, doch auch genau so ausgiebig über das hier und jetzt und heute, dass sie sich sehr aktiv gestaltet, sie nimmt Klavierunterricht, lernt spanisch und französisch und macht jeden Tag noch ein wenig Gymnastik. Als Geheimnis ihres langen Lebens nennt sie gesunde Ernährung.

Selten bringen Immigranten ihre Großeltern mit nach Australien. Deshalb fällt der Kontakt zu alten Leuten so gut wie weg, das ist Schade, können wir doch so viel lernen von ihnen. Nach dem Cafébesuch machen wir noch einen vergnügten Spaziergang zum Bahnhof, ich bin so dankbar für die Zeit die Lilli mit mir verbracht hat und habe nicht erwartet, dass es gleich noch besser kommt. Sie erzählt, dass sie damals oft die Erbsensprache gesprochen hat. Ich glaube zunächst, mich verhört zu haben. Doch wirklich, der Begriff Erbsensprache kam tatsächlich über ihre Lippen, und das von einem ihrer ansteckenden Lacher begleitet. Beim Zuhören stelle ich fest, dass die Erbsensprache die große Schwester der Löffelsprache ist. Bei der Erbsensprache, ähnlich wie bei der Löffelsprache, bei der ja bei jedem Vokal, dieser durch "lew + selber Vokal" ersetzt wird, werden hier nach jedem Buchstaben die drei Silben Er-be-sen angehängt. Bei Selbstlauten fällt das E der ersten Silbe jedes Mal weg. Einfach. Wir zwinkern uns zu. Räubersprache ist zeitlos. Ich fühle mich plötzlich so viel weniger verloren. Fantastisch.

Wer mehr von Lilli hören möchte, der kann das hier machen. „Lillis Jungbrunnen – eine Auswanderergeschichte”.


Aerbesen urbesen serbesen terbesen rerbesen arbesen lerbesen irbesen erbesen nerbesen. Arbesen merbesen arbesen nerbesen derbesen erbesen rerbesen erbesen nerbesen Erbesen nerbesen derbesen erbesen derbesen erbesen rerbesen Werbesen erbesen lerbesen terbesen ... Dalewas kalewann malewann wolewohl salewagelewen!

Über Kommentare, gerne auch auf Erbsen- oder aber auch auf Löffelsprache freue ich mich.

Schöne Grüße aus Melbourne!


Monday, 25 July 2011

Phillip Island. Skippy, Pommes am Pier, Seebären und Buckelwale!

An einem Samstag, es sind nur schattige 14 Grad, der Himmel ist jedoch knalle blau, mache ich mich auf den Weg nach Phillip Island. Von Melbourne aus bin ich ja schnell hingefahren. Relativ schnell. Für die 135 km benötige ich um die zwei Stunden und das natürlich nur, weil ich hier anstatt fahren nur schleichen darf.

Gerade in der richtigen Laune besuche ich in der Nähe von Phillip Island zunächst mal einen Streichelzoo. Das sind ja alles so diese Dinge, die man macht, wenn man gerade neu hier ist. Skippy zu kraulen, Koala und Wombat bestaunen, wer möchte das nicht machen, sobald die Maschine landet? Schon über fünf Jahre bin ich jetzt hier, doch mich begeistern die Tiere immer noch so wie beim ersten Mal. Ich mag Tiere. Die Institution Zoo unterstütze ich nicht, doch heute stehe ich mir mal nicht selber im Wege, gönne mir was und streichele ein Känguru. Ist ja ein Streichelzoo.


Da ich also in unmittelbarer Nähe von Philip Island wohne, fahre ich oft hin. So alle paar Monate immer mal wieder. Die Insel ist wunderbar und immer einen Ausflug wert. Wahnsinnsaussichten, Bauernmärkte, Strandwanderungen, Pommes am Pier. Phillip Island ist ein richtig kleines Urlaubsparadies und das bei jedem Wetter. Ja, jetzt klinge ich wie eine Kreuzung aus Reisebroschüre und damaligem Klassenlehrer.

Heute begebe ich mich auf eine Bootstour. Nachdem ich am Pier Pommes mit Tomatensoße, Sonne im Gesicht und leichte Brise um die Nase, gegessen habe, legt um zwei Uhr mein Katamaran ab. Ich bin auf der Suche nach Seebären. Tiere mag ich nun einmal und ganz besonders in freier Wildbahn. Hier in Victoria ist ja gerade Walsaison, das heißt, die Wale sind gerade hier in unseren Gewässern unterwegs. Dass die auch in dieser Gegend bei Phillip Island vorkommen, höre ich zum ersten Mal in all den Jahren. Alle Passagiere sind gespannt. So ganz glaub ich nicht daran, dass wir Wale sehen werden.

Der Besuch bei den Australischen Seebären, ja die heißen so, enttäuscht mich nicht. Im Wasser und auf den umliegenden Felsen wimmelt es nur so von ihnen. Als ich schon mal zum Ende des Sommer hier war, tummelten sich allerdings noch viel mehr von ihnen hier rum, als heute. Doch, es sind bei Weitem immer noch genug für ein gelungenes Erlebnis.


Wir treten die Rückreise an, das Licht wird schon ganz leicht dämmerig, der Sonnenuntergang hat noch nicht eingesetzt, aber es ist nicht mehr lange hin. Wir sind gerade an den Nobbies auf Phillip Island vorbei. Plötzlich gibt der Kapitän uns zu verstehen, dass er Wale gesichtet hat. Wir alle stürmen zum Bug, da ich gerade in der Nähe war, gelingt es mir, ganz vorne einen Platz zu ergattern. Und da stehen wir alle mucksmäuschenstill und starren gebannt aufs Meer. Minuten vergehen. Ich habe so einen ganz Typischen und viel zu langen „Ich bin der König der Welt“- Moment. Nur, dass ich nicht mit Leo dort stehe und aufs Meer starre, sondern mit ganz vielen anderen Ausflüglern. Und es ist echt irgendwie sehr frisch. Wir alle verharren ein paar weitere Minuten. 

Ich beschließe das der Kapitän uns hat in die Irre führen wollen, „gerade waren sie noch da“, oder so, befinde mich im Begriff mich wegzudrehen, plötzlich drehen alle quasi durch auf dem Boot. Da sind zwei Wale, genau vor uns schwimmen sie nebeneinander her. Das Licht ist gerade so wie in einem Kitschroman, das Wasser war den ganzen Tag schon so still, die Wale ziehen ruhig und ganz langsam an uns vorbei. Was für eine Natur. 

Backbord springt ein Wal aus dem Meer und zeigt uns seine Schwanzflosse, dass ist jetzt wie bei einem Feuerwerk, die begleitenden Ahhhs der anderen Fans meine ich. Ein Bootsjunge, so um die siebzig, erzählt mir verschmitzt, dass die Wale auf ihrem Weg die Ostküste hoch, falsch abgebogen, und deshalb hier in dieser Bucht gelandet sind.

Schon bald darauf geht die Sonne zu allem Überfluss auch noch ganz besonders scheußlich schön unter. Gar nicht mal so schlecht in Australien zu wohnen. Ich fahre heim.

Schöne Grüße aus Melbourne!


Australien. Wer ist Cadel Evans?

Cadel Evans ist Australier.

Er wurde 1977 geboren.

Er ist in Australien zur Schule gegangen.

Er wohnt mal in Barwon Heads in Victoria und dann mal wieder in Stabio in der Schweiz.

Er ist mit einer Italienerin verheiratet, die beiden haben einen Hund namens Molly.

Er ist ein großer Tim und Struppi Fan.

Er hört gerne Musik von U2, R.E.M., Hunters and Collectors, Paul Kelly, Crowded House, Enya, Eurythmics, Monique Brumby, My friend the Chocolate Cake und Bruce Springsteen.

Ach ja, und er ist der erste Australier, der die Tour de France gewonnen hat. 

Herzlichen Glückwunsch. Australien freut sich!



Schöne Grüße aus Melbourne!


Sunday, 24 July 2011

Australien. Wer ist Julia Gillard?

In Australien freut man sich über die Leistung von Cadel Evans und im Spiegel lese ich dazu Folgendes.

„Feiertag in Australien, doch der Sieger weinte. Als Cadel Evans erfahren hatte, dass der australische Premierminister aufgrund seines Erfolgs bei der Tour de France einen landesweiten Feiertag ausrufen ließ, kommentierte der Radprofi ...“.


Feiertag? Nichts von gehört und Julia Gillard ist doch eine Frau ...

Oder etwa nicht? Wer ist eigentlich diese Julia Gillard?

Julia Gillard wurde in Großbritannien geboren. Sie ist im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern von Großbritannien nach Australien gezogen, weil das Klima hier besser ist. Sie ist die Premierministerin von Australien. Julia Gillard gehört zur Labor Partei. Sie hat ihren Vorgänger Kevin Rudd in 2010 aus dem Amt gehoben und dessen Platz eingenommen. Sie ist gegen die Homo-Ehe. Sie hat Herrn Obama ewige Treue im Krieg in Afghanistan versprochen. Sie spricht sich gegen ein wachsendes Australien aus, unterstützt ausschließlich den Gedanken der Fachkräfte-Migration (sie würde sich nicht ins Land lassen). Sie will Asylsuchende die hier mit dem Schiff ankommen und Australien um Hilfe und Schutz bitten, nach Malaysia senden. Sie findet Internetfilter gut, und möchte entscheiden, auf welche Internetseiten Australier zugreifen können. Sie hat einen schlimmen Akzent.

Spiegel Sport-Nachrichten

Wie findet Ihr die Jooolia Gillard? Ich freue mich auf alle Kommentare.

Schöne Grüße aus Melbourne!


Friday, 22 July 2011

Der größte deutschsprachige Stammtisch in Melbourne!

Wenn man seine Heimat verlässt, ist das aufregend, ganz egal in welcher Hinsicht.

Zuhause? Da kennen sie einen doch alle und man selbst kennt auch alles und jeden. Die Nachrichtensprecherin, die jeden Abend um acht die gleiche Bluse anhat, der freundliche Bäcker, der einem das Rosinenbrötchen schon einpackt, noch ehe man es allmorgendlich wieder bestellen kann, der Busfahrer, der jeden morgen nickt, wenn wir einsteigen, um zur Arbeit zu fahren, die Kellner der Eck-Pizzeria die einem immer zuwinken, wenn man mit dem Rad vorbei kommt.

Alles so farblos, man möchte nur noch eines und das ist weg. Man macht sich auf den Weg in die weite Welt oder wie in meinem Fall sogar an das fast ganz andere Ende der Welt nach Australien. Und plötzlich stelle ich erstaunt fest, dass es hier ganz viele Menschen gibt, die die deutsche Kultur einfach genial finden und hier in Australien von nichts weniger als meiner „langweiligen“ Heimat träumen. Natürlich gibt es auch eine ganze Menge Menschen die, und sei es nur vorübergehend, ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben, es doch zu Deutschen Stammtischen zieht.

Warum habe ich mich gefragt und versucht das zu ergründen. Ich habe mich auf die Suche gemacht und auf dem Weg den einen oder anderen getroffen, habe mit ein paar Leuten gesprochen und dann letztendlich den größten deutschsprachigen Stammtisch in Melbourne gefunden. Manche vermissen ihre Heimat irgendwie dann doch oder möchten sich ganz einfach mal wieder mit anderen aus der Heimat austauschen und wieder andere möchten einfach Deutsch sprechen.

Der größte deutschsprachige Stammtisch in Melbourne!

Im Februar 2006 wurde der deutschsprachige Stammtisch, dem zurzeit 577 begeisterte Mitglieder angehören, gegründet. Getroffen wird sich regelmäßig, normalerweise in einer Bar oder in einem Restaurant. Erkennen kann man die Gruppe bei ihren Treffen an einer kleinen deutschen Fahne, die meistens dabei ist. Ungefähr 40 bis 50 Prozent der Mitglieder sind Australier, und um die 30 bis 40 Prozent kommen aus Deutschland oder dem deutschsprachigen Raum. Bislang haben schon 75 Treffen in Melbourne stattgefunden.

Wer ist die gute Seele des deutschsprachigen Stammtischs in Melbourne?

Der Australier Scott, der die Treffen organisiert versichert, „dass jede Veranstaltung Spaß macht, egal ob man die deutsche Sprache beherrscht oder nicht! Es ist einfach jedes Mal wieder schön, interessante Leute aus allerlei Ländern zu treffen und kennenzulernen“. 

Scott hat mir verraten, das er in der Schule vor ungefähr 45 Jahren mit dem Erlernen der deutschen Sprache begonnen, sich seitdem immer für diese Sprache interessiert hat und Wege sucht sein Deutsch anzuwenden. Er findet Deutsch schlicht und ergreifend faszinierend. In 2003 hat er zusammen mit seiner Frau in Frankfurt gelebt und gearbeitet und da "fand er es ganz hilfreich, die Sprache zu verstehen und zu sprechen". Im letzten Jahr als Scott in Europa war, um eine Kreuzfahrt an der Adria, von Venedig bis nach Rom zu machen, hat er es sich nicht nehmen lassen auch ein bisschen Zeit in Deutschland zu verbringen, bevor es ihn weiter ins Elsass trieb.


Scott, was sind spontan die ersten drei Wörter, die Ihnen zu Deutschland einfallen?

Erstens! Humor - die Deutschen haben doch einen Sinn für Humor (aber, laut den Nicht-Deutschen, ist dieser ein bisschen fremd).
 
Zweitens! Bier.

Drittens! Riesling.

(Bin ich Alkoholiker? Absolut nicht).

Verraten Sie uns Ihr deutsches Lieblingswort? Warum ist es das?

Naschen ... Warum? Weil es auf Englisch noch nicht einmal ein Wort gibt, das naschen übersetzt.
 
Kultureller Austausch. Was können die Deutschen von den Australiern lernen?

Wie man Gemüse kochen soll!!! Und ich bin auch kein Fan vom deutschen Spargel, tut mir leid. Spargel soll (meiner Meinung nach) grün gegessen werden.

Und, als 'final point', die Deutschen sollen vielleicht lernen, "indirekt" zu reden. Das heißt, manchmal ist es besser, nicht die reine Wahrheit zu sagen. Zum Beispiel besser als ein "Da liegst du falsch", ist vielleicht ein "Ja, ich verstehe, was du meinst, aber hast du es mal so betrachtet ...?" 


Meine Frau hat in Frankfurt Geschäftsleute im Englischen unterrichtet, und sie hatte immer Schwierigkeiten bei diesem Punkt!

Danke Scott. Ich wünsche dem Deutschen Stammtisch Melbourne weiterhin viele witzige und interessante Treffen!

Wie sich unschwer an Scotts Antworten erkennen lässt, ist er ein engagierter, offener und sehr herzlicher Gastgeber. Der deutschsprachige Stammtisch Melbourne steht jedem offen. Der nächste Stammtisch findet in einigen Tagen statt. Deutsch sprechen und dabei auch noch Leute aus anderen Nationen und vor allen Dingen aus Australien kennenlernen, besser geht es doch wohl kaum.

Wie findet Ihr den größten deutschsprachigen Stammtisch in Melbourne? Wäre das etwas für Euch und warum? Oder wäre das eher nichts und warum nicht? Ich freue mich auf alle Antworten und Kommentare!

Schöne Grüße aus Melbourne!


Melbourne „Fahrrad-Stadt“

Aufgewacht. Meldung in der Tageszeitung gelesen. Kaffee um ein Haar an gekalkte Wand gespuckt!


Größenwahnsinnig, übergeschnappt, verblendet, abgehoben, nicht mehr alle Tassen im Schrank, einen Sprung in der Schüssel, neben der Spur, nicht ganz dicht, von Sinnen, hirnverbrannt, ohne Sinn und Verstand!

Hier gibt es doch kaum Radwege! Hab ich überhaupt schon mal mehr als drei in dieser Stadt gesehen? Es wird sich mal wieder selber über alle Massen gelobt, bevor irgendwas erreicht wurde. Und jetzt steigern sich alle rein und glauben das im Endeffekt wirklich!

Übersteigertes Selbstwertgefühl. Schamlos. Realitätsverlust. Hilfe! 

Melbourne, vor einem Jahr! Fahrradfahren in Australien!

Schöne Grüße aus Melbourne!


Thursday, 21 July 2011

Australien! Hunde beißen Zitronenhai am Strand!

Wenn Australier auf Reisen gehen, suchen auch sie oft nach dem Wahren Australien. So manch einer will wirklich Land und Leute kennenlernen und das der Welt zeigen. Dank YouTube kann das jeder Reisende oder Tourist auch ganz einfach machen. Ein Paar aus Perth reist seit Monaten durchs Land und hat jetzt etwas ganz besonderes gesehen. An einem Strand in der Nähe von Broome haben sie beobachtet, wie Hunde Haie gebissen haben. Kamera zur Hand, haben sie es rucki zucki gefilmt und auf YouTube mit der Welt geteilt. Laut dem Australier ist das eine bessere Werbung für Australien, als die kitschigen Spots die sonst so gezeigt werden. Und das gegen Ende des Spots sogar eine getötete Seekuh zu sehen ist, die gleich auf den Grill geschmissen werden soll, zeigt es halt, wie es ist. Die Seekuh wird sicherlich auch der Grund dafür sein, dass die Haie in Strandnähe waren.

Sichelflossen-Zitronenhaie

Die Haie, die man in dem Spot sieht, sind Sichelflossen-Zitronenhaie, sie sind bis zu 3,80 Meter lang, essen am liebsten Fisch, sind für ihre leichte Reizbarkeit bekannt und greifen gerne mal an, wenn man ihnen zu nahe kommt. Wer würde sich nicht wehren, wenn er angegriffen wird? Diese Haiart gilt laut der Weltnaturschutzunion aufgrund Überfischung als vom Aussterben bedroht.

Richtige Werbung für Australien?

Ist der YouTube Spot denn wirklich eine gute Werbung für Australien? Nun geht ein Aufschrei durchs Land. Das ist aber so gar nicht die Art wie man Australien der Welt präsentieren möchte. Die Worte Haie, Menschen und Strandnähe sind tabu für die Außenwelt. Der TV-Spot „There is nothing like Australia“ bewirbt in den Augen von Tourismusexperten „unsere einzigartigen Attribute und Werte und ist auf umfangreiche Forschung gestützt“.

Australien setzt sich doch immer so für den Tierschutz ein!

Genau. Und das in Australien Seekühe, im Rahmen von bestimmten Gesetzen einfach abgeschlachtet werden dürfen, muss ja deshalb auch nicht die ganze Welt wissen. Besonders nicht, weil Australien immer auf Japan rumhackt, da diese so gerne Wale töten. Interessant mit anzusehen, dass die Tradition des einen da wieder mal richtiger ist, als die des anderen. Seekühe sind laut der Weltnaturschutzunion vom Aussterben bedroht. 

Hier der Spot, der sich wie folgt ganz einfach mit ein paar Worten beschreiben lässt. 
Relaxter Nachmittag in Westaustralien!
Hunde spielen mit Haien 
und 
eine leckere Seekuh wie diese 
kann man sowohl mittags wie abends servieren.
 

Was haltet Ihr von der Sache? Ich freue mich über alle Kommentare!

Schöne Grüße aus Melbourne!


Wednesday, 20 July 2011

Perth, WA! Fachkräfte verzweifelt gesucht!

© Tourist Offfice WA

 In einem Interview mit ABC sagt der Minister fuer Immigration folgendes.

„... zu dem Thema Gastarbeiter, .... kein Begriff, den ich verwende, es ist kein Begriff, den man in Australien anwenden kann. Es ist ein Begriff, wie sie sagen, der in anderen Teilen der Welt gilt, insbesondere in Europa natürlich. Deutschland ist zum Beispiel eine große Gastarbeitergesellschaft, viele Menschen aus der Türkei sind hinüber nach Deutschland gegangen und ich denke, das hat zu einer Menge von Problemen geführt, die sich im ganzen Land abspielen und die wir in dem ganzen Land beobachten können, ja, in der ganzen Welt“.

Der australische Arbeitsminister (Minister für Ausbildung und Entwicklung der Arbeitskräfte) war persönlich in Irland und hat dort einem Drittel der landesweit 450.000 Arbeitslosen einen Arbeitsplatz in Perth angeboten.
 
Der Minister für Immigration macht es ganz klar. Es gibt mehr Menschen, die in Australien um eine Aufenthaltsgenehmigung bitten als Australien aufnehmen kann und dementsprechend werden auch nicht irgendwelche Leute aufgenommen, die gerne hier wohnen möchten, sondern es werden nur die ins Land gelassen, die tatsächlich gebraucht werden.

Der Arbeitsminister steht unter dem Druck, bis zum Jahr 2017 qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Und zwar werden ganze 150.000 Einwanderer benötigt, um einer drohenden Krise, die durch den zweiten Bergbau-Boom ausgelöst wurde, zu entgehen. Menschen aus der Baubranche, der Gesundheitsversorgung und Bildung befinden sich ganz oben auf der Wunschliste. Der Minister für Immigration verkündete heute, dass die Hauptstadt Westaustraliens von nun an auf die Liste der Orte, in denen Not an Beschäftigungsfähigen herrscht, gesetzt wird. Perth ist von nun an als kleine Stadt mit geringem Bevölkerungswachstum klassifiziert, um einfacher qualifizierte Fachkräfte aufnehmen zu können, die der boomenden Wirtschaft gerecht werden sollen.

Unter dem Regional Sponsorship Migration Scheme können Unternehmen in Perth zum ersten Mal auch Arbeitnehmer mit geringeren Fähigkeiten sponsern. Arbeitnehmer dürfen sich im Land oder aber auch außerhalb Australiens aufhalten, wenn das Visum beantragt wird. Für die Regierung gehören dazu Menschen aus dem Gastgewerbebereich, dem Baubereich und der Kinderbetreuung; die Mitarbeiter unterliegen ab sofort geringeren Einstiegshürden. Auch soll es 457 Visa-Inhabern leichter gemacht werden, die permanente Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Bislang konnten 457 Inhaber ja auch so ohne Weiteres in ihr Heimatland geschickt werden, sagen wir, wenn der Arbeitgeber sie nicht mehr mochte.

Hört sich alles gut an, doch sollte man noch mal genau kurz reflektieren, was da jetzt gerade passiert. Australien erleichtert Engländern und Iren die Einwanderung, ihnen werden Arbeitsplätze angeboten. Sie zählen also zu den „Erwünschten“ Menschen. Das Wort erwünscht ist in diesem Kontext schauerlich.

Auf der einen Seite sitzen Flüchtlinge in Haft, man möchte sie abschieben, jeden Tag wird uns eingebläut, dass Australien von Asylanten überrannt wird und dass hier bald gar kein Platz mehr ist. Und plötzlich fehlen so viele Menschen, dass schon in der Welt herumgereist wird, um diese zur Immigration zu überreden? Haben die Asylbewerber etwa nicht die richtige Hautfarbe?

Bestimmt liegt das daran, dass es beispielsweise in Afghanistan, Irak oder Indonesien gar keine Kindergärtnerinnen oder Hotelfachleute gibt. Richtig, das macht genau so wenig Sinn, wie die schamlose hautfarbenfeindliche Einwanderungspolitik Australiens. Wann fängt Australien denn mal an den Mythos der multikulturellen Traumgesellschaft, in der Toleranz und Respekt gegenüber fremden Traditionen, Religionen und Bräuchen herrscht, zu leben?

In dem ganzen Prozess, den ich für meine Aufenthaltsgenehmigung zu durchlaufen hatte, musste ich an einem Punkt eine Erklärung unterschreiben, dass ich die australischen Werte künftig anerkenne. Man erkennt mit Unterzeichnung den "Geist des Egalitarismus, der sich in gegenseitigen Respekt, Toleranz, Fair Play und Mitgefühl für Menschen in Not und Verfolgung" widerspiegelt, an. Nach all den Jahren kann ich nur sagen, das ist einfach lachhaft. Die haben mich im guten Glauben was unterschreiben lassen, an was sie gar nicht selber glauben.

© Tourist Offfice WA

Regional Sponsored Migration Scheme (Subclass 119/857) ...

Übrigens gilt diese Visaregelung für alle Orte und Regionen in Australien, bis auf Sydney, Melbourne und die Gold Coast. Wer also gerne irgendwo in Oz oder aber auch gerne in Perth wohnen möchte, alle Infos zu dem Visum gibt es hier.

Regional Sponsored Migration Scheme (Subclass 119/857) 

Was meint Ihr dazu? Ist Australien eine gut funktionierende multikulturelle Gesellschaft, in der alle gleich willkommen sind? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Schöne Grüße aus Melbourne!


Tuesday, 19 July 2011

Australien. Megakirche beliebter als Lady Gaga!

Lady Gaga ist gerade erst in der letzten Woche Ehrenbürgerin von Sydney geworden, eine strahlende Bürgermeisterin hat ihr die Urkunde für ihr Engagement für Schwule und Lesben verliehen. Es gab wohl kaum eine andere Person, über die hier in der letzten Woche mehr gesprochen wurde. Und zu Beyonces Beliebtheit brauch ich auch nicht viel sagen.

Lady Gaga und Beyonce ... Die beiden wurden in den Album-Charts nun aber von einer australischen Band überholt, aber nicht von irgendeiner. Wer hätte das gedacht, dass die Australier so auf Kirche stehen? Hillsong Church lagen in den australischen Album-Charts mit ihrem Album „God Is Able” auf Platz drei und Lady Gaga mit ihrem Album „Born This Way“ auf Platz fünf. Die Musik der Organisation gibt sich als zeitgenössische Gottesverehrung aus.

In den Achtzigern wurde in Sydney eine Pfingstgemeinde gegründet. Um den Spaß finanzieren zu können, wird unter anderem ab und an mal ein musikalisches Meisterwerk auf den Markt geworfen. So haben die Schäfchen was zum Mitklatschen und die Kirche kann ihre Visionen finanzieren. Die brauchen eine ganze Menge Geld, denn „geschaffen werden soll eine Kirche, so groß, dass die Stadt und die Nation sie nicht länger ignorieren kann“. Gänsehaut pur, bei so viel Engagement.


Die Megakirche findet Homosexualität unnatürlich, verspricht diese heilen zu können. In Kreisen der Organisation wird gemunkelt, es hilft, in eine Flasche zu masturbieren. Die Evolution halten sie für Mist, sie vertreten die Meinung, dass der Erschaffer der Welt der christliche Gott ist. Die Idee haben sie sich doch wohl von der amerikanischen evangelistischen Bewegung abgeguckt.

Genau wie ihre amerikanischen Freunde, ist auch die australische Megakirche eine Organisation die gekonnt Marketingstrategien ausführt, um Einkommen zu generieren. Steuerfrei versteht sich. Die Anhänger zahlen ein Zehntel ihres Einkommens an die Kirche und von ihnen wird außerdem erwartet das sie auch noch ein paar weitere Spenden übrig haben. Für ein Ticket zur einmal im Jahr stattfindenden Konferenz darf man AUD 220 hinblättern.

Die Organisation nimmt aber nicht nur, sie gibt auch. Im Gegenzug gibt sie den Anhängern das Versprechen, das Gott ihnen alles zurückgeben wird. Die Trennung von Kirche und Staat wird auch nicht so ernst genommen. Politiker der australischen Liberal Partei eröffnen gerne mal Massenpredigten bei denen um tausend Besucher erscheinen und auch das ist alles sehr sympathisch geregelt. Eine Hand wäscht die andere. Die Gemeinde betet gemeinsam für mehr Wählerstimmen. Die Organisation vermag in Seminaren, wie „Krebsheilung“ und die „Kunst Frauen zu schwängern“ ihren Anhängern auch Übernatürliches zu lehren.

Erst gestern habe ich gesehen, dass es jetzt auch den Spiegel für Kinder gibt. Dein Spiegel. Immer sinnvoll, schon heute die Kundschaft/Leserschaft von morgen zu binden. Genau so macht das auch die Hillsong Organisation. Schon die ganz Kleinen können, während Mama und Papa in den Gottesdiensten ihre Körper zu den Gesängen wiegen und dem Vorturner dazu ergeben salutieren, an eigens für sie geschaffenen Programmen teilnehmen. Wirkt alles ganz idyllisch.

Lady Gaga und Beyonce gucken dumm aus der Wäsche ... Die Lieder für die neueste heißeste Scheibe wurde von den Pastoren selbst geschrieben und im Sydney Entertainment Centre aufgenommen. „God Is Able” in Australien auf Platz drei in den Album-Charts.

Erst wollte ich an diese Stelle ein You Tube Video des Liedes „Gott ist fähig“ stellen, doch das ist mir jetzt einfach zu gaga.

Was haltet Ihr davon? Ist die Organisation in Euren Augen eine Sekte?

Schöne Grüße aus Melbourne!


Monday, 18 July 2011

Augenzeugin. Praktikantin Dominika aus Deutschland!

In den meisten Fällen finde ich die Leute, die mir ihre Gedanken zu Australien verraten sollen, in dem Fall mit Dominika war es jedoch mal genau andersherum. Dominika hat Leute gesucht, die was zu Australien zu sagen haben. Sie hat mich gefunden, oder besser gesagt, sie hat Australien-Ereignisse gefunden. Das war alles sehr aufregend für mich. Ich habe ein Radiointerview gegeben, so sind wir ins Gespräch gekommen, und wie ich finde, ist Dominika ein Vorbild, wenn es um Lebenslust geht.

Menschen wie Dominika haben keine Angst ihren Träumen zu folgen. Einen Traum, dem vom Praktikum im Ausland, erfüllt sie sich gerade hier in Melbourne. Es hat einfach Spaß gemacht, mir ihr über ihre Erlebnisse zu sprechen. Und deshalb möchte ich diese hier teilen. 

Seit wann sind Sie schon hier in Australien und wie lange werden Sie bleiben?

Ich bin Anfang Juni in Melbourne angekommen. 

Bis Anfang August bin ich noch hier in der Stadt und dann geht das Reisen los ... Mitte September werde ich dann wohl zurück nach Deutschland müssen ...

Sie machen hier in Melbourne im Rahmen Ihres Studiums ein Praktikum bei einem Radiosender. Warum haben Sie Australien als Standort für diesen praxisbezogenen Auslandsaufenthalt ausgesucht?

Wahrscheinlich war es Schicksal: Ich surfte so durchs Internet und sah die Ausschreibung von SBS. Außerdem ist meine beste Freundin vor einem Jahr schon durch Australien gereist und war von diesem Land wahnsinnig begeistert. Und ich dachte mir: wenn nicht jetzt, wann dann? Man wird ja auch nicht jünger.

Als der Entschluss gefasst war, haben Sie Ihren „Umzug“ nach Australien im Alleingang durchgezogen oder ihr Vorhaben von einer Agentur betreuen lassen? Können Sie den von Ihnen eingeschlagenen Weg weiterempfehlen?

Das habe ich alles selber organisiert und das würde ich immer wieder so machen.

Wie finanzieren Sie Ihr Praktikum und Ihren Aufenthalt in Australien?

Ich habe ein Stipendium vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) bekommen, das deckt aber nur einen kleinen Teil meiner Kosten, die ich hier habe. Deswegen gehen eine Menge Ersparnisse hier drauf ...

Australien ist ja nicht gerade ein Land, wo die Lebenshaltungskosten niedrig sind.

Der australische Dollar hat sich stark nach oben entwickelt. Mit dem EUR in Australien? Wie fühlt sich das an?

Furchtbar! Ich bin geizig geworden in diesem Land! Aber ich sehe nicht ein, für ein Bier in der Bar EUR 5,00 zu bezahlen ... Deswegen gibt es momentan jeden Tag Sushi und Avocado.

Was ist Ihnen wichtig im Leben und was versprechen Sie sich von Ihrer Zeit in Australien?

Wichtig im Leben ist mir die Liebe. Und somit eine Person an meiner Seite, die mich versteht, die mich unterstützt und die mir Kraft gibt für all meine Vorhaben. Meine Familie und meine besten Freunde sind immer da für mich und unterstützen mich, wo immer es ihnen möglich ist. Dafür bin ich unendlich dankbar und weiß es zu schätzen. Nicht jeder hat so viel Glück im Leben.

Von meiner Zeit in Australien verspreche ich mir neue Freundschaften, neue Erfahrungen und ein kleines Stück Selbstfindung. Wenn man so weit weg ist von zu Hause, dann wird einem das eine oder andere bewusst.

Drei Adjektive, mit denen sich Australien schnell beschreiben lässt.

Groß! Rot! Teuer!

Was hat Sie am meisten an Australien überrascht?

Dass ich innerhalb kürzester Zeit wahre Freunde gefunden habe, die diesen Aufenthalt so unendlich viel besser machen. Aber manchmal ist es wohl Schicksal, wenn man Leute am anderen Ende der Welt trifft und es sofort "klick" macht.

Planen Sie Australien während Ihres Aufenthalts zu bereisen? Wo geht es hin?

Die Great Ocean Road entlang nach Adelaide, dann Uluru, Sydney, Brisbane und die ganze Ostküste hoch.

Danke sehr! Ich wünsche Ihnen noch eine tolle Zeit in Australien und für Ihre Zukunft alles Gute.

Menschen, die hier in Australien wohnen oder gewohnt haben und von ihren Erlebnissen berichten. Wie finden Alyson aus Kanada, Franzi aus Deutschland, Jackie aus England, Alexander aus Deutschland, Yang aus China, Jan aus England, Maureen aus Deutschland das Leben in Australien?

Was möchtet Ihr gerne über das Leben in Australien wissen? Welche Frage soll ich dem nächsten Interviewpartner Eurer Meinung nach stellen? Über Eure Kommentare und Anregungen freue ich mich schon jetzt.

Schöne Grüße aus Melbourne!